Neu im Kino: Doku zeigt die faszinierende Welt der „Babys“

Kinder allein zu Haus

Wer trinkt mein Badewasser? Der Mongole Bayar. Fotos: Verleih/nh

Vor diesem Film muss gewarnt werden. Wenn Sie die Dokumentation „Babys“ im Kino schauen, kann es sein, dass ständig jemand schluchzen wird: „Och, wie süß.“ Andere werden unentwegt lachen, als sei das hier die lustigste Hollywood-Komödie des Jahres. Und dafür musste der französische Regisseur Thomas Balmés nicht einmal viel machen.

Zwei Jahre lang hat er mit der Kamera vier Säuglinge aus Namibia, der Mongolei, Japan und den USA mit der Kamera begleitet. Er hat sie gefilmt quasi vom ersten Atemzug bis zu den ersten wackligen Schritten in der neuen Welt. Das ist natürlich schon sehr viel, aber andererseits hat er sie einfach machen lassen und darauf vertraut, „dass die Realität stark genug ist, um unser Projekt zu tragen“, wie Balmés sagt.

Eltern wissen, dass Babys ideale Kinohelden sind. Sie beobachten ihre kleinen Kinder manchmal stundenlang, selbst wenn die einfach nur daliegen. So hat Balmés nach der Originalidee des französischen Schauspielers und Regisseurs Alain Chabat einen faszinierend einfachen Film ohne Kommentare aus dem Off und auch weitgehend ohne Dialoge gemacht - er ist eine Liebeserklärung an die Welt, die von diesen vier Babys entdeckt wird.

Da ist der kleine Ponijao aus Namibia, dessen Eltern Rinder und Ziegen züchten, und der in einer rührenden Szene vor der Kamera hockt, am Einnicken ist und immer wieder aufschreckt, als er merkt, dass er in den Schlaf zu fallen droht. Mari aus Tokio bekommt einmal einen faszinierenden Wutanfall, weil etwas mit seinem Spielzeug nicht klappt. Die Kalifornierin Hattie hantiert mit einem Mobiltelefon, während ihre Mutter mit einer elektrischen Milchpumpe ihre Brüste anzapft. Und Bayar aus der mongolischen Steppe badet gerade in einer kleinen Wanne am Fenster, als eine Ziege ankommt und das Badewasser wegschlurft.

„Babys“ zeigt sehr unterschiedliche Lebenswelten, aber die Babys haben auch viel gemeinsam. Sie lachen, schreien und lallen überall gleich. Wer den Film schaut, könnte zu der romantisierenden Erkenntnis kommen, dass wir im westlichen Kulturkreis viel lernen können von der Einfachheit, mit der Mongolen und Afrikaner mit ihren Babys umgehen. Regisseur Balmés ist ebenfalls der Meinung, „dass man Kinder auch mal allein und sich selbst überlassen sollte“, wie es im Presseheft heißt.

Dort steht aber auch der Satz der armen Mutter aus Namibia, die durch den Film zum ersten Mal die Möglichkeit bekam, zu einem Arzt zu gehen, und die ein wenig erschrocken den fertigen Film sah: „Mich hat gewundert, dass die anderen Mütter sich nicht um ihre Kinder kümmern.“

Genre: Dokumentarfilm

Ohne Altersbeschränkung

Wertung: !!!!:

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.