Neu im Kino: „Mammut“ ist ein Globalisierungsdrama über moderne Elternschaft

Kinder ohne Mütter

Ein Moment der Ruhe: Michelle Williams (als Ellen) und Gael García Bernal (als Leo). Foto: Mafis/nh

das philippinische Kindermädchen kauft in den USA einen Basketball, der in den Philippinen hergestellt wurde, und sendet ihn als Geschenk an ihre Kinder, die auf den Philippinen leben. So ist Globalisierung, und die absurden, aber vor allem traurigen Folgen unseres globalisierten Lebens sind Thema von Lukas Moodyssons Film „Mammut“. Der schwedische Regisseur will thematisch und stilistisch an Filme wie „Babel“ von Alejandro González Iñárritu anknüpfen, erreicht aber nicht die Hintergründigkeit und Komplexität des Vorbilds. Die eleganten Bilder bleiben so oberflächlich wie das Basketball-Gleichnis.

Gael García Bernal (der auch in „Babel“ zu sehen war) spielt den New Yorker Leo, der als Computerspiel-Erfinder reich geworden ist. Seine Frau Ellen (Michelle Williams) engagiert sich als Ärztin bis an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Doch liebevolle Eltern für ihre aufgeweckte Tochter Jackie (Sophie Nyweide) wollen sie auch sein. Aber die Momente des fröhlichen Herumtollens sind selten. Meist kümmert sich Gloria (Marife Necesito), das philippinische Kindermädchen, um die Kleine. Kein Wunder gewinnt Ellen bald den Eindruck, Jackie fühlt sich mit Gloria wohler als mit ihr.

Wie die moderne Welt Eltern von Kindern entfremdet, zeigt Moodysson auch im zweiten Erzählstrang. Gloria kann nicht bei ihren Kindern auf den Philippinen sein - wie die unter Mama-Entzug leiden, und welche fürchterlichen Erfahrungen sie machen, als sie dagegen etwas tun wollen, geht an die Nieren - und ist nur höchst oberflächlich vergleichbar mit den Sorgen der reichen US-Familie.

Gael García Bernal gelingt es vorzüglich, die fast noch kindliche Haltlosigkeit seiner Figur Leo zu zeigen - für einen Vertragsabschluss fliegt er mit seiner Firma nach Thailand. Weil er sich dort im Hotel langweilt, bricht er auf an einen Strand und kommt Barmädchen Cookie (Run Srinikornchot) näher.

Was ist für sie Geschäft, was Zuneigung? Welche Ziele hat sie? Leo kann ihre Situation schlecht einordnen, bleibt naiver Westler und fühlt sich gut mit seiner Rolle als Wohltäter und den Geschenken, die er ihr hinterlässt. Darunter ist schließlich ein Luxusschreibgerät: Ein Stift mit Elfenbein aus Zähnen des ausgestorbenen Mammut. 3000 Dollar wert. Für Leute, die mit Statussymbolen etwas anfangen können. Als Cookie das Nobelteil plus zwei Uhren auf dem Markt verkauft, gibt ihr der Händler gerade 30 Dollar.

Genre: Drama

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!::

www.hna.de/kino

Von Bettina Fraschke

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