Mit ausschließlich jugendlichen Akteuren

Hans Krásas Kinderoper „Brundibár“ in Kassel: Menschliche Story, tierisch gut

Eindrucksvolles Ensemblebild: Solisten, der Cantamus-Chor und das Theater-Jugendorchester. Foto: Klinger

Kassel. Ist das die nächste Opern-Generation? Eine Kinderoper, bei der nicht nur Kinder und Jugendliche mitwirken, sondern in der sie auch alle solistischen Rollen besetzen und den Chor wie auch das Orchester stellen – das ist außergewöhnlich. Das Staatstheater Kassel hat es gewagt und sein 13. Theater-Jugendorchester-Projekt zu einem Ereignis gemacht, das bei der ausverkauften Premiere im Schauspielhaus heftig beklatscht und bejubelt wurde.

Es ist auch ein besonderes Stück, das hier gezeigt wird: „Brundibár“, die Kinderoper des tschechischen Komponisten Hans Krása (1899-1944), erfuhr ihre eigentliche Uraufführung 1942 im Konzentrationslager Theresienstadt, wo sie 55-mal gespielt wurde – und einer jungen Hauptdarstellerin mutmaßlich das Leben rettete. Krása dagegen wurde zwei Jahre später in Auschwitz ermordet.

Die tragische Historie der Oper findet auf der Bühne ihren Niederschlag andeutungsweise in den Kostümen von Anna Kusmenko, die an die 40er-Jahre erinnern. Die Geschichte selbst bringt Regisseurin Franziska Schumacher so unbeschwert auf die Bühne, wie sie wohl auch die Kinder in Theresienstadt erleben sollten: als ein Hoffnung gebendes Märchen, das zeigt, wie man mit Solidarität schwierige Situationen meistern kann.

Doch ganz ohne Wunder – in Form sprechender Tiere – geht es nicht. Die beiden Halbwaisen Aninka und Pepícˇek (Eva Carlberg und Pauline Roppel), die mit Straßenmusik Geld für sich und die kranke Mutter verdienen müssen, werden vom charismatischen, keine Konkurrenz duldenden Leierkastenmann Brundibár (Ansgar Lorenz) vom Markt vertrieben. Hilfe leisten die von Spatz, Hund und Katze alarmierten anderen Kinder, sodass Brundibár das Feld räumen muss.

Den Zauber dieser Aufführung machen auch die in Fantasiekostümen auftretenden Figuren des Marktes, der Milchmann, der Bäcker, der Polizist und der Eisverkäufer aus. Zusammen mit den Tierfiguren und dem schillernden Zauberer Brundibár lassen sie die Bühne wie ein surrealistisches Gemälde erscheinen (Bühnenbild: Sibylle Pfeiffer).

Riesenbeifall erhielten die zehn Darsteller aus den Reihen des Cantamus-Kinderchors des Staatstheaters. Wie selbstbewusst sie in die solistischen Rollen schlüpfen, wie souverän sie ausnahmslos singen (mit Headset), sprechen und spielen, sorgte für Begeisterung.

Nicht weniger stark agiert der Chor der Kinder im Dialog mit den Solisten. Unter der Leitung von Maria Radzikhovskiy wird Krásas eingängige, jedoch nie banale Musik mit viel Schwung und tollem Timing dargeboten. Eine außerordentliche Leistung, zu der das beherzt aufspielende Theater-Jugendorchester (auch in den Soli) wesentlich beiträgt – kleine Intonationsschwächen fallen da kaum ins Gewicht.

Begleitend zeigt im Schauspielfoyer eine vom Kasseler Wilhelms-Gymnasium gestaltete Ausstellung Zeichnungen von Helga Weissová-Hosˇková, die im KZ Theresienstadt entstanden.

Weitere Vorstellungen am 24., 25., 26., 28. und 29. Juni. Karten: Tel. 0561 / 1094-222.

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