Ronja Räubertochter als Weihnachtsstück

Kindertheater: Freiheit zwischen Autowracks

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Begegnung: Maria Munkert als Ronja und Christoph Förster als Birk.

Am Kasseler Staatstheater inszeniert Philipp Rosendahl als Weihnachtsstück „Ronja Räubertochter"

Kassel. Die Räuberhöhle befindet sich im Heck eines verschrotteten Kombis. Morgens wälzen sich Räuberhauptmann Mattis (Uwe Steinbruch) und die Seinen unter der Heckklappe durch. Man trägt Lederjacken und Stiefel zu punkigen Frisuren. Und zwischen den halb abgestürzten Autowracks auf diesem Schrottplatz der familiären Beziehungen verläuft die Grenze zwischen den verfeindeten Räubersippen von Mattis und Konkurrent Borka (herrlich fies: Aljoscha Langel).

Im Kasseler Opernhaus ist Daniel Roskamps Bühnenbild des wunderbaren Weihnachtsstücks „Ronja Räubertochter“ nach Astrid Lindgrens Romanklassiker kein Wald, sondern eine abenteuerliche Welt aus Sperrmüll, Autowracks, Leitern, Dächern, Klappen, Reifenbergen. Philipp Rosendahl setzt seine Inszenierung am Staatstheater in einen rauen, wilden Rahmen. Betulich und lieblich ist hier nichts.

Aber die großen Gefühle dieser Geschichte, der kindliche Freiheitsdrang und seine Gegentendenz, der Wunsch, geborgen bei der Mutter im Schoß einzuschlafen, können gerade in diesem Setting gut leuchten. In der voll besetzten Premiere am Mittwoch fieberten und feierten die jungen Zuschauer mit.

Ronja (Maria Munkert) und Birk (Christoph Förster) sind die Kinder von Mattis und Borka. Als Birk in einem Einkaufswagen sitzend in Ronjas Revier herumrattert, begegnen sie sich zufällig und freunden sich an. Aus ein paar Plastiktüten, einem alten Bettbezug und zerschnittenen Benzinkanistern erschaffen die Freunde spielend ihre eigene Welt. Später nisten sie sich auf der Ladefläche eines Pick-Ups ein. Beide sind von zu Hause abgehauen, weil es wegen ihrer sippschaft-übergreifenden Verbrüderung Streit und Verstoßung gibt. Aber was ist, wenn der Sommer vorbei ist und der Herbst kommt?

Maria Munkert und Christoph Förster spielen mit viel Herz und rockiger Energie die Gefühlsschwankungen zwischen Traurigsein, Einsamkeit und dem puren Glück der Freundschaft. Und wenn Ronja vor lauter überschäumendem Gefühl ihren „Frühlingsschrei“ ausstößt, ist das Publikum kurz davor, mitzuschreien.

Die jungen Zuschauer hatten in der Aufführung aber auch manch kleinen Konzentrationshänger, womöglich, weil es in den 75 Minuten ein paar Längen gab, oder weil die Textverständlichkeit nicht immer optimal war, besonders, wenn zum Gesprochenen Thorsten Drückers knallige Musik weiterlief.

Uwe Steinbruch gestaltete Räuberhauptmann Mattis mit Voku-Hila-Matte als große tragische Figur, er ist ein Chef, dessen Autoritätsgebaren seinen Papabedürfnissen heftig im Wege steht (Kostüme: Isabell Heinke). In weiteren Rollen spielen Valeska Weber, Matthias Fuchs und Dankwart Pankow-Horstmann. Live-Musiker sind Raphael Gessenhardt und Tassilo Greger.

Empfohlen ab fünf Jahren, Kartentelefon: 0561-1094-222. www.staatstheater-kassel.de

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