Neu im Kino: Die Dänin Susanne Bier gewann mit „In einer besseren Welt“ den Oscar

Vertrauenskrise: Claus (Ulrich Thomsen) und Christian (William Jøhnk Nielsen) entfremden sich durch den Tod der Ehefrau und Mutter. Foto: Universum

Der Weg vom Fahrradständer bis zum Klassenraum ist für Elias (Markus Rygaard) die tägliche Hölle. Eine Bande von Mitschülern fängt ihn regelmäßig ab, schubst und schlägt ihn, wissend, dass der introvertierte Junge sich nicht wehren wird. Aber dann kommt Christian (William Jøhnk Nielsen) an die Schule und schlägt den Angreifer brutal mit der Luftpumpe zusammen.

Der Gewaltausbruch ist der Anfang einer Freundschaft mit fatalen Konsequenzen. Elias ist froh über den neuen Freund, denn zu Hause bricht gerade der familiäre Halt auseinander. Die Eltern haben sich getrennt. Elias’ Vater Anton (Mikael Persbrandt) ist oft außer Landes und arbeitet als Arzt in einem afrikanischen Bürgerkriegsland. Anton ist überzeugter Pazifist, gerät aber auch an die Grenzen seiner Friedfertigkeit, als ein Warlord, der für zahlreiche bestialische Massaker verantwortlich ist, um ärztliche Versorgung bittet.

Sehr differenziert erforschen Susanne Bier und ihr langjähriger Drehbuchautor Anders Thomas Jensen („Nach der Hochzeit“) die Ursachen, Selbstlaufmechanismen und Folgen von gewalttätigem Handeln. Gerade gewann „In einer besseren Welt“ den Oscar als bester ausländischer Film. Ausgehend von der emotionalen Gemengelage der Vorpubertät, erweitert das Drama den vorurteilsfreien Blick auf die Generation der Väter und findet sogar den Weg in ein afrikanisches Bürgerkriegsland, in dem sich männliche Machtfantasien brachial entladen.

Mit einer erstklassigen Schauspielerriege und in atemberaubend klaren, sinnlichen Bildern untersucht Bier die Mechanismen der Gewalt auf dem Schulhof, im familiären Alltag und in kriegerischen Auseinandersetzungen, zeigt die persönliche Fragilität, aber auch die Monstrosität der Täter und entwickelt in der dynamisch erzählten Geschichte eine dramatische Wucht und analytische Schärfe, wie man sie nur selten zusammen in einem Film erlebt. So kann, so soll Kino sein: intelligent, spannend, und aufrichtig interessiert am Zustand der Welt.

Genre: Drama

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: fünf von fünf Sternen

www.hna.de/kino

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