Kino-Doku "Der 12. Mann": Ein Liebesfilm über Fußball

Wilhelm Plenkers (Trompeten-Willy, Schalke 04).

Kassel. HNA-Redakteur Florian Quanz begleitet in der Doku „Der 12. Mann" vier außergewöhnliche Fußball-Fans. Am Freitag ist die Premiere in Kassel.

Auch fünf Jahre danach ist Trompeten-Willy immer noch sauer, dass Felix Magath ihm nie geantwortet hat. Damals hat der Schalke-Fan dem Trainer des Fußball-Bundesligisten einen Brief geschrieben, weil er das Gefühl hatte, die Fans würden in Gelsenkirchen nicht mehr so ernst genommen wie früher. „Ich wollte den Spielern erklären, was es heißt, Schalker zu sein. Wir wollen keine herzlosen arroganten Fußballarschlöcher sein“, sagt er in der Doku „Der 12. Mann“ des Kasseler Journalisten Florian Quanz.

Protagonistin aus der Fußball-Doku „Der 12. Mann“: Christel Neumann (Südkurvenmutti von Eintracht Braunschweig).

Weder Magath noch sonst einer aus dem Verein hat Trompeten-Willy geantwortet. Man kann den Anhänger verstehen, wenn er sagt: „Spieler, Trainer und Vorstände kommen und gehen, aber wir Fans sind immer da.“

Ihnen hat der HNA-Redakteur mit seinem ersten Film ein Denkmal gesetzt. Neben Trompeten-Willy hat er vier Jahre drei weitere ungewöhnliche Fans aus Dortmund, Mainz und Braunschweig mit der Kamera begleitet. Am Ende hatte Quanz 75 Stunden Material. 104 Minuten kommen nun auf die Leinwand - am Freitag im Kasseler Bali und dann auf einer Kino-Tour durch Deutschland, die der Filmdebütant ganz allein organisiert.

Mit Fußball ist es wie mit der Liebe: Man meint, schon alles darüber gehört und gesehen zu haben, aber dann gibt es doch noch etwas Neues. Wie bei „Der 12. Mann“, der von der Liebe zum Fußball handelt und davon, wie das Geld immer wichtiger wird. „Der Kommerz macht den Fußball kaputt“, sagt Detlev Kühn, der den FSV Mainz 05 als Fastnachtsmaskottchen Bajazz anfeuert.

Bilder von jubelnden Fans im Stadion gibt es nicht zu sehen, was für sich auch ein guter Kommentar zur Kommerzialisierung ist. Für vier Minuten hätte Quanz 80 000 Euro an die Rechte-Inhaber zahlen sollen. So gibt es zwar einige Längen, aber der Film ist sehr nah an seinen Protagonisten.

Der Dortmunder Borussen-Anhänger Itze ist bereits zufrieden, wenn er als Dankeschön für sein Foto im Fan-Katalog ein BVB-Hemd geschenkt bekommt. Und die Braunschweiger Südkurvenmutti Christel schmiert schon mal Brötchen für die Ultras, die um sechs Uhr morgens Choreografien im Eintracht-Stadion einstudieren. Nach einem Unfall haben ihr Anhänger einen neuen VW Golf geschenkt. Bei der Aufstiegsfeier hat die 70-Jährige Tränen in den Augen, als alle mit ihr als Vorsängerin feiern. Später sagt sie zu einer anderen Rentnerin: „Am besten fallen wir irgendwann im Stadion um. Das wär das Geilste.“

Trompeten-Willy, der in einer Kneipe arbeitete, die „Zum Trompeten-Willy“ hieß, gesteht: „Schalke ist bekloppt, aber ich liebe es.“ Auch er und die anderen drei Fans sind irgendwie bekloppt, aber nach diesem Film muss man sie einfach lieb haben.

Premiere: Freitag, 1. Mai, 17 Uhr, im Großen Bali im Kasseler Kulturbahnhof, Rainer-Dierichs-Platz 1. Karten: 0561/710 550. Zur Premieren-Feier, 19 Uhr, in der Weinkirche, Werner-Hilpert-Str. 22, werden auch die Protagonisten kommen. 

Zur Person: Florian Quanz

Geboren: am 2. Mai 1984 in Eschwege

Ausbildung: Germanistik- und Geografiestudium in Marburg, Volontariat bei der HNA

Beruf: HNA-Redakteur

Privates: Fan von Borussia Mönchengladbach, lebt in Kassel

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