Neu im Kino: Ewan McGregor in Mike Mills Tragikomödie „Beginners“

Langsame Annäherung: Oliver (Ewan McGregor) verliebt sich in Anna (Mélanie Laurent). Foto: Universal

Den Heiratsantrag machte die Mutter. Dass ihr zukünftiger Gatte schwul war, störte sie nicht. „Das kann ich heilen“ hatte sie damals Anfang der 50er zu ihm gesagt, als man noch fest davon überzeugt war, dass Homosexualität eine Krankheit ist.

Der Vater ergriff die Chance in der Hoffnung, endlich den eigenen verbotenen, sexuellen Neigungen zu entkommen - ein zum Scheitern verurteiltes Vorhaben und der Beginn einer unglücklichen Ehe.

Erst nach dem Tod seiner Frau eröffnet Hal (Christopher Plummer) im Alter von 75 Jahren seinem Sohn Oliver (Ewan McGregor) und dem Rest der Welt, dass er homosexuell ist und stürzt sich freudvoll in die schwule Subkultur, bis er bald darauf an Krebs erkrankt. Eigentlich wäre dies der Stoff für ein großes, schwules Melodram, aber Mike Mills „Beginners“ spielt das Thema über Bande an, indem er den Sohn zur zentralen Erzählfigur macht, der nach dem Tod des Vaters seine Erlebnisse mit den unglücklich verheirateten Eltern Revue passieren lässt.

Begleitet von Olivers Off-Kommentar mäandert der Film entspannt zwischen drei Zeitebenen: Den Rückblenden in die Kindheit, in der der Junge zu spüren beginnt, dass in der Beziehung seiner Eltern etwas nicht stimmt. Den Erinnerungen des erwachsenen Sohnes, der seinen Vater nach der Krebsdiagnose in den Tod begleitet. Und der Gegenwartsebene, auf der Oliver sich nach dem Tod des Vaters in die französische Schauspielerin Anna (Mélanie Laurent) zu verlieben beginnt.

Das ist für einen Mann wie ihn kein einfaches Unterfangen. Olivers Beziehungen haben bisher nach kurzer Zeit im Ungefähren geendet, und nun hat er sich fest in seine Trauergefühle eingewickelt. Aber auch Anna, die einen ganzen Ozean zwischen sich und ihre Vergangenheit gebracht hat, ist mit der Einsamkeit und dem langsamen Wachstum großer Gefühle vertraut.

In seiner klug konstruierten Erzählung verschlingt Mills die verschiedenen Zeitebenen miteinander und zeichnet ein differenziertes Bild von der seelischen Gemengelage seiner Hauptfigur zwischen Kindheitserinnerungen, Trauergefühlen und einer neu aufkeimenden Liebe. Ganz ohne küchenpsychologische Exzesse zeigt „Beginners“ den verheerenden Einfluss gescheiterter Elternbeziehungen - und den langsamen Prozess der Befreiung aus dem Gefängnis der Erinnerung.

Genre: Tragikomödie

Ohne Altersbeschränkung

Wertung: *****

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