Kino: In „Heute bin ich blond" behauptet sich eine krebskranke Frau

Drei Perücken, dieselbe junge Frau: Lisa Tomaschewsky als Sophie in blond, brünett und rot.

Für den Uneingeweihten klingt der Filmtitel „Heute bin ich blond“ womöglich abschreckend, assoziiert man mit „blond“ doch diskriminierenderweise gern geistige Unbedarftheit. Aber in diesem Film geht es um den tödlichen Ernst des Lebens.

Das neue Jahr beginnt für Sophie (Lisa Tomaschewsky) und ihre Freundin trotzdem mit einem rauschenden Fest. Mit 21 fängt für die Mädels das Leben richtig an. Wenig später bekommt Sophie den gefürchteten, besorgniserregenden Anruf vom Arzt. Am nächsten Tag stellt der Mediziner teilnahmslos seine Diagnose: Krebs, von einer besonders heimtückischen Sorte. Wie in Trance vernimmt Sophie, was sie nun erwartet. 32 Wochen Chemo, stationär. Bestrahlung. Im besten Falle.

Drei Perücken, dieselbe junge Frau: Lisa Tomaschewsky als Sophie in blond, brünett und rot.

Sophie gibt sich nicht auf, sondern stellt sich mit Unterstützung von Familie, Freunden und Pflegepersonal dem Kampf um ihr junges Leben. Wenn sie nach draußen darf, versteckt sie ihre Glatze unter verschiedenen Perücken. Jeder Kopfputz bringt eine andere Seite an Sophie zum Vorschein und hilft ihr, mit den Umständen fertigzuwerden.

In ihrem autobiografischen Roman „Heute bin ich blond: Das Mädchen mit den neun Perücken“ lässt die Niederländerin Sophie van der Stap den Leser an ihrem Genesungsprozess teilhaben. Wenn Regisseur Marc Rothemund („Sophie Scholl - Die letzten Tage“) die wahre Geschichte nun auf die Leinwand bringt, erwartet den Zuschauer weder ein tränenschwerer Schmachtfetzen noch ein ungeschminktes Porträt menschlichen Leids, das zum Wegschauen einlädt.

Drei Perücken, dieselbe junge Frau: Lisa Tomaschewsky als Sophie in blond, brünett und rot.

„Heute bin ich blond“ findet eine humorvolle Sprache, ohne die Ernsthaftigkeit aus den Augen zu verlieren. Dabei ist der Ton auf ein Zielpublikum im Alter der Protagonistin zugeschnitten. Die Sophie im Film lässt es ein bisschen mehr krachen als die echte, auch mutet der Film dem Publikum das Leid der Chemo nur in erträglichen Dosen zu.

Das ändert aber nichts daran, dass die Story einen nachhaltigen Eindruck davon vermittelt, was es für einen jungen Menschen bedeutet, durch Krankheit aus dem Alltag gerissen zu werden. Das Wissen um ein Happy End macht es dem Kinogänger natürlich leichter, sich auf diese Geschichte einzulassen. Leinwanddebütantin Lisa Tomaschewsky empfiehlt sich mit ihrer überzeugenden Vorstellung für weitere große Aufgaben.

Genre: Drama

Altersfreigabe: ab 6

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

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