Arthur Honeggers Oratorium „Le Roi David“ in Kassel

Kino für die Ohren

KASSEL. Elitär oder demokratisch? Das ist die Frage, die sich jeder Komponist stellen muss. In den 20er-Jahren des vorigen Jahrhunderts vertrat der kompromisslose Neuerer Arnold Schönberg die elitäre Position. Den entgegengesetzten, ebenso legitimen Standpunkt nahm Arthur Honegger ein. Er strebte breite Verständlichkeit an und war sich nicht zu schade, für einen Laienchor die Musik zu „Le Roi David“ (König David) zu komponieren.

Doch nicht nur dieser soziale Aspekt unterschied Honegger von den Puristen. Geschlossenheit der Tonsprache war nicht seine Sache. So gibt es in „König David“ unterschiedliche Stilebenen vom Neobarock bis zum orientalischen Flair, von Archaik bis zum Strawinsky-Anklang. Oft sehr kurz sind die 27 Sätze des Oratoriums - ein Mix der rasch wechselnden Stimmungen.

Genau dies dürfte Generalmusikdirektor Patrik Ringborg gereizt haben, der das Werk beim Kasseler Bußtagskonzert in der fast ausverkauften Stadthalle dirigierte. Eine Affinität zwischen Komponist und Dirigent besteht wohl in der Vorliebe für präzis gesetzte Klangfarben. So gelang großes Kino für die Ohren mit einem plastischen Orchestersatz, in dem die Bläser viel zu tun hatten, mit Schlagzeug-Effekten und samtigen Streicherklängen. Auch die monumentalen Steigerungen, etwa im „Tanz vor der Bundeslade“, kostete Ringborg genussvoll aus. Bestens aufgestellt wie das Staatsorchester dabei der Opern- und Extrachor des Kasseler Staatstheaters.

Ein wohltuend unpathetischer Erzähler war der Schauspieler Jürgen Wink, der seinen Part in Deutsch sprach. Sonst hörte man Französisch - beim „schaurigen“ Hexenauftritt von Marie-Claire Ludwig, bei den Sängern Simon Rubisch (Knabensolo), Dong Won Kim (Tenor), Nicole Chevalier (mit farbenreichem Sopran) und Inna Kalinina (Mezzosopran). Schade, dass Honegger nicht mehr Soli für die tiefe Frauenstimme vorgesehen hat, denn Kalinina sang besonders klar und schön. Viel Applaus.

Von Georg Pepl

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