Neu im Kino: „Super 8“ von J. J. Abrams ist ein Science-Fiction-Thriller der Extraklasse

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Bedrohlich: Martin (Gabriel Basso, hinten) und Joe (Joel Courtney) wissen nicht, wie ihnen geschieht.

Für alle Unkundigen: Super 8 bezeichnet ein Schmalfilmformat, auf dem Omi und Opi ihren Bade-Urlaub verewigten, bevor Video- und Digitalkamera diesen nicht ganz billigen Spaß vom Markt verdrängten.

Auch Regisseur Jeffrey Jacob Abrams sammelte als Achtjähriger erste Erfahrungen mit einer Super-8-Kamera.

Und weil der Filmemacher mit „Mission: Impossible III“ und „Star Trek“ zwei Mega-Hits in Folge abgeliefert hat, darf er seine Zuschauer nun in eine magische Kindheit entführen, die seiner eigenen wohl nicht unähnlich ist. Mit einem Unterschied: beim jungen J. J. sind sicherlich keine Aliens aufgetaucht, um auf Menschenjagd zu gehen.

Im Sommer des Jahres 1979 möchte eine kleine Truppe filmbegeisterter Kids ihren großen Idolen nacheifern und einen Zombie-Schocker drehen. Zufällig ist das jugendliche Filmteam vor Ort, als ein Zug des Militärs entgleist. Noch wissen die Kinder nicht, dass ihre Kamera das Scheitern einer streng geheimen Mission festgehalten hat. Von nun an sind die Kinder nicht mehr sicher. Die Armee sucht nach den missliebigen Zeugen, und ein außerirdischer Besucher schickt sich an, die ganze Ortschaft zu entvölkern.

J. J. Abrams hat viel von seinem großen Vorbild Steven Spielberg gelernt, der übrigens als Produzent von „Super 8“ fungierte. Der oft zitierte Vergleich mit „E.T.“ ist auf diese Geschichte aber nur bedingt anwendbar. Mit Spielbergs schrumpeligem Helden konnte bedenkenlos die ganze Familie nach Hause telefonieren. In „Super 8“ hingegen geht es so heftig zur Sache, dass jüngere Zuschauer schlaflose Nächte erleiden könnten.

Dennoch nimmt sich die Geschichte auch Zeit für anrührende Momente der Kinderfreundschaft und des Familienlebens. Sie verankern das Spektakel in einer gefühlsechten Wirklichkeit und machen den Film um vieles besser als seelenlose Verschrottungsorgien Marke „Transformers 3“.

Vor der nervenzerreißenden Zugentgleisungsszene wird ohnehin jeder Genre-Filmemacher den Hut ziehen. Vielleicht hätte man den außerirdischen Besucher einmal anders gestalten können als die etablierten Leinwandmonster. Aber das ist auch der einzige Kritikpunkt am, ja, größten Abenteuer, das der Kinosommer zu bieten hat.

Genre: Science Fiction

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: Fünf Sterne

Das Vorbild: E.T. - Der Außerirdische

J. J. Abrams verbeugt sich in „Super 8“ vor einem der größten Erfolge der Filmgeschichte: Steven Spielbergs „E.T. - Der Außerirdische“ (1982), in dem ein einsames Alien versehentlich auf der Erde zurückbleibt und in die Obhut eines Jungen gerät. Dieser Elliott will helfen, ein Telefon zu konstruieren, mit dem E.T. „nach Hause telefonieren“ kann. Bis die Behörden auf den Außerirdischen aufmerksam werden. Warum der Film zum Klassiker wurde: Vorzeigefilm des Familienkinos: Spielberg erzählt radikal aus Kindersicht, von Erwachsenen sieht man meist nur die Beine. Sein Märchen über eine galaxiensprengende Freundschaft funktioniert aber auch für Erwachsene, die gern zurückträumen.

Ikonische Bilder:
• Rot leuchtender Alien-Finger
• Fahrrad fliegt vor dem Mond
• Die bösen Sicherheitskräfte in weißen Anzügen sehen aus wie die eigentlichen Aliens. Mitgefühls-Erzeuger: Wer hier nicht das Taschentuch zückt, ist wahrscheinlich ein Android. Wenn E.T. am Ende beinahe stirbt, ist die Rührungsquote so hoch wie sonst kaum im Kino. Das ist Filmkunst: Spielberg hat die Charaktere so in den Herzen der Zuschauer verankert, dass sie von ihrem Mitgefühl wahrhaftig überwältigt werden. Das gelingt kaum einem Film. Vielfältige Bezüge reichen über normales Popcornkino hinaus:
• Der Filmheld ist schwach.
• E.T. ist einsam - aber Elliott ist es auch, weil seine alleinerziehende Mutter sich nicht kümmert.
• Wenn sich E.T. im Schrank versteckt, damit die Mutter ihn nicht findet, schlüpft er in Elliotts Spielzeug-Figuren - und wird bildlich zum Inventar einer Kindheit. (fra)

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