Die Berlinale geht noch näher zu ihrem Publikum - Heute Abend ist Eröffnung des Jubiläumsfestivals

Das Kino wird hier zum Star

Das Zentrum des Glamours: Der rote Teppich vor dem Berlinale-Palast am Potsdamer Platz. Foto:  dpa

Berlin. 1951 sollten die Berliner Filmfestspiele das „Schaufenster des Westens“ sein, heute feiert die Berlinale ihre VIP-Auftaktparty zum 60-jährigen Bestehen ausgerechnet im Vorzeigeobjekt des Sozialismus: im Café Moskau an der Karl-Marx-Allee.

Der Prunkbau im 50er-Jahre-Schick sollte die DDR als modernen Staat zeigen - steingewordenes Gegenbild zu den Filmfestspielen, die den Westen der Stadt mit Glamour und Aufbruchsstimmung auftanken sollten.

Im Jubiläumsjahr setzt die Berlinale vom 11. bis 21. Februar zwei Schwerpunkte: Viele der rund 400 gezeigten Filme befassen sich mit dem Thema Familie - wichtiger persönlicher Rückzugsort gerade in schwierigen Zeiten. Trotzdem hat Festivalchef Dieter Kosslick wieder den politischen Anspruch der Festspiele bekräftigt, deren Filmauswahl und Preisvergabe oft auch ein politisches Zeichen setzen sollten. Familie ist hier also nicht gleichzusetzen mit Kuschelkurs.

Architekten im Gespräch

Außerdem lenkt die Berlinale das Augenmerk auf die Orte, wo Filme gezeigt werden: Kinos. Eine Podiumsdiskussion thematisiert die Rolle der Filmpaläste im urbanen Raum. Mit dabei: hochkarätige Architekten wie Norman Foster. In Stadtteilkinos wird ein roter Teppich ausgerollt: „Berlinale goes Kiez“ heißt die Reihe, die Festivalfilme in den Programmkinos von Charlottenburg bis Kreuzberg zeigt und Regisseure dorthin einlädt - etwa im Moviemento am Kottbusser Damm, dem ältesten Kino Berlins, das seit Jahrzehnten wichtiger Kultur- und Szenetreffpunkt ist.

Weg vom Glamour bewegt sich das Filmfestival dabei natürlich nicht, das Blitzlichtgewitter ist zentral für die öffentliche Aufmerksamkeit. Aber man will deutlich machen, dass der dunkle Saal, die Gemeinschaft des Publikums, die schiere Größe der Projektion, eine Kulturform und ein Sozialerlebnis sind, die beim Film-Download ins Miniformat des Handys verloren gehen.

Zu den Höhepunkten im 26 Regiearbeiten umfassenden Wettbewerb (davon sechs außer Konkurrenz) sind neue Filme von Roman Polanski und Martin Scorsese. Die Jury für die Vergabe des Goldenen Bären leitet Regie-Legende Werner Herzog. Aus Deutschland mit Spannung erwartet ist Oskar Roehlers Nazizeit-Reflektion „Jud Süß - Film ohne Gewissen“, auf dem roten Teppich vor dem Berlinale-Palast werden Stars wie Renée Zellweger, Shah Rukh Khan, Leonardo DiCaprio, Ben Kingsley, Kim Catrall und Pierce Brosnan erwartet. Auch ein Phantom wirkt mit: Der Graffitikünstler Banksy zeigt seinen ersten Film - in der Königsdisziplin Wettbewerb. Doch wie der Mann aussieht, weiß niemand. Er wird da, aber nicht zu sehen sein, sagt Kosslick.

Die Retrospektive feiert ein Wiedersehen mit Beiträgen aus 60 Jahren Berlinale. In der Reihe „Forum“ für die sperrigeren Formate wird Dominik Grafs Russenmafia-Epos „Im Angesicht des Verbrechens“ aufgeführt, die „Perspektive deutsches Kino“ setzt auf Dokumentarfilme.

Von Bettina Fraschke

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