Neu im Kino: Radu Mihaileanus Musikfilm „Das Konzert“ ist eine Ode an die Menschlichkeit

Das Kino wird zum Konzertsaal

Hat einen Traum: Andrei Filipov (Alexei Guskow). Foto: Concorde

Die Filme des in Rumänien geborenen Regisseurs Radu Mihaileanu sind unwiderstehlich temperamentvoll und unverschämt sentimental. 1998 machte der Filmemacher mit „Zug des Lebens“ aus der Deportation eines jüdischen Dorfes eine herzerwärmende Groteske. In „Das Konzert“ stellt Mihaileanu dem Antisemitismus nun eine beschwingte Ode an die Menschlichkeit entgegen.

Andrei Filipov (Alexei Guskow) dirigiert in Moskau Tschaikowskys Violinkonzert in D-Dur. Das Problem: Filipov ist nur Hausmeister. Seine Tage als Dirigent sind vorbei. Die sowjetische Staatsführung hatte ihn und sein Orchester gefeuert. Filipov hatte sich damals für seine jüdischen Musiker eingesetzt.

Heute ist das Bolschoi-Orchester nur noch eine Karikatur des legendären Klangkörpers. Das soll nicht so bleiben: Filipov unterschlägt im Büro des Direktors ein Fax mit einer Einladung nach Paris und hat eine Eingebung wie einst die „Blues Brothers“, nur eben in sinfonischer Besetzung.

Filipov sammelt die alten Orchestermusiker alle ein - slapstickhaft als Tour de Force durch den russischen Alltag inszeniert. Mit verschmitztem Blick baut Mihaileanu ein Absurditäten-Kabinett auf, das trotz des melancholischen Grundtons sehr komisch ist.

Mit der Ankunft des Orchesters in Paris ändert sich der Ton. Die Schmerzen der Vergangenheit werden spürbar.

Angst vorm Pathos hat der Regisseur, der selbst jüdischer Abstammung ist und 1980 aus Rumänien floh, nicht. Aber am Ende wird Tschaikowskys Musik erklingen - sein einziges Violinkonzert. Es ist pure Lebensfreude, die sich Bahn bricht. So haltlos, wie die Tränen fließen werden. Auf der Leinwand und davor. (tx)

Genre: Drama

Ohne Altersbeschränkung

Wertung: !!!!:

Von Andreas Fischer

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