Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest eröffnet

Im Kinosessel die Welt erfahren

Überblick behalten: Szene aus dem Film „Mediapokalypse“ von Emilien Cancet und Gustavo Almenara. Foto: nh

Kassel. Wenn andere das schöne Sommerwetter genießen, sitzen 33 Filmbegeisterte in der warmen Jahreszeit wochenlang in abgedunkelten Räumen. Sie sichten die Filmbewerbungen, die für das Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest eingehen und stellen daraus die Festivalprogramme zusammen.

Diese Arbeit wird jedes Jahr aufwendiger, denn die Zahl der Einreichungen wächst kontinuierlich.

Für das heute eröffnende Festival gab es 2917 Filmeinreichungen, gezeigt werden bis zum Sonntag 290 Lang- und Kurzfilme. Plus Medieninstallationen in einer Ausstellung, plus Live-Performances mit Videokunst in einer nächtlichen Bar, plus viele weitere Extras. Das sechstägige Kasseler Festival wächst nicht nur, es verändert sich auch: In seiner 31. Ausgabe ist nun die neue Sektion Dokfest-Generation am Start - ein Programm aus anspruchsvollen und unterhaltenden Dokumentarfilmen, das sich explizit an ältere Zuschauer wendet.

Jedes Jahr schaffen Festivalleiter Gerhard Wissner und sein 140 meist ehrenamtliche Mitarbeiter umfassendes Team den Spagat, fachspezifische Angebote für die Branche und breit gestreute Vermittlungsangebote zu verbinden, die zum Beispiel Schüler an das dokumentarische Filmschaffen heranführen sollen.

Das Dokfest ist so zu einer festen Größe in der europaweiten Festivallandschaft geworden, seine jährlich rund 13 000 Besucher kommen teils von weit her. Zugleich ist das Filmfest Kristallisationspunkt für regionale Filme. Seit 2001 wird der älteste Festivalpreis vergeben: der Goldene Herkules, der eine herausragende filmische Produktion aus Nordhessen kürt. Er ist mit 3000 Euro dotiert, 33 Filme konkurrieren um die Auszeichnung, die das Filmschaffen in der Region nachhaltig geprägt hat. In früheren Jahren ausgezeichnete Regisseure haben die Dokfestbeteiligung als Karrieresprungbrett nutzen können.

Weitere Festivalpreise sind der Goldene Schlüssel für die beste Nachwuchsarbeit, der Golden Cube für eine Medieninstallation und das A38-Produktionsstipendium für eine junge künstlerische Medienproduktion.

Hochklassige künstlerische und politisch anspruchsvolle Dokumentarfilme werden in den drei Festivalkinos in Aufführungen von morgens bis nachts vorgestellt, häufig sind die Filmemacher für Diskussionen vor Ort.

Nischenprogramme wie mit Animationsfilmen aus Madagaskar, mit einem Hochschulporträt der Accademia di Belle Arti aus Palermo und vom europäischen Filmverleih Sixpackfilm ermöglichen Filmentdeckungen, die sonst quasi nicht machbar sind.

Bei der Abschlussgala verarbeitet die Schweizer Künstlergruppe Pulp.noir den Filmklassiker „Brazil“ von Terry Gilliam in einer Performance. Die Geschichte um die Übermacht einer Informationssammel-Institution wird mit Videos und Musik in die Gegenwart geholt. Film kommt auf die Bühne.

Von Bettina Fraschke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.