Apps bieten Untertitel für Gehörlose und eine Bildbeschreibung für Sehbehinderte

Kinospaß mit Handyhilfe

Die App Greta bietet Bildbeschreibungen, die per Menü ausgewählt werden.

Kennen Sie den? Gehen ein Blinder und ein Gehörloser ins Kino ... Nicht witzig? Stimmt. Sondern ärgerlich.“ So beginnt ein Kinospot für die beiden neuen Smartphone-Apps Greta und Starks, die Menschen mit Hör- und Sehbeeinträchtigungen den Kinobesuch erleichtern sollen.

? Kino für Sehbehinderte? Wie funktioniert diese App?

!Wer nicht gut sehen kann, nutzt Greta. Dann spielt das Smartphone während des Filmbesuchs eine Audiodeskription ab, das heißt, die Bilder werden sprachlich erklärt. In einem Ohr höre ich also den Original-Filmton, im anderen die Bildbeschreibung.

? Und für Menschen, die schlecht hören?

!Wer nicht gut hört, für den ist Starks richtig. Starks spielt Untertitel zum Film aufs Handydisplay, ich kann also mitlesen, was vorn auf der großen Leinwand geschieht.

? Wie kommt man an diese Angebote heran?

!Man kann sich zu Hause kostenlos die App aus dem iTunes-Store oder von Googleplay auf das eigene Smartphone herunterladen. Dann wählt man den Film aus, den man anschauen will, und lädt dafür die nötigen Daten herunter. Im Kinosaal funktioniert die App dann offline und synchronisiert sich automatisch alle paar Minuten über den Filmton mit dem Film.

? Wie viele Menschen wären die Zielgruppe dafür?

!In Deutschland leben 1,4 Millionen Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen. Kinobesuche waren unter diesen Bedingungen nur eingeschränkt möglich. Wenn dieses Publikum neu gewonnen würde, die Leute vielleicht zweimal im Jahr ins Kino gehen, so rechnen die Initiatoren vor, hätten die Filmtheater einen Zuschauerzuwachs von bis zu 2,8 Millionen.

? Wer steckt hinter diesem Projekt?

!Entwickelt wurde es von der Berliner Entwicklungsfirma für Barrierefreiheit im Kino Greta und Starks zusammen mit dem Handyunternehmen Ericsson, das die Ursprungsprogrammierung gemacht hat. Ergänzend finanziert wurde es mit 146 000 Euro von der Beauftragten für Kultur und Medien der Bundesregierung und deren Schweizer Amtskollegen, von der Bundes-Filmförderungsanstalt FFA und dem Medienboard Berlin-Brandenburg.

? Was war das Hauptanliegen?

!Dass Betroffene und Kinobetreiber keine Investitionen machen müssen, um die Barrierefreiheit zu erzielen.

? Wie geht es nun weiter damit?

!Greta und Starks liefert nur die Technik, die Inhalte werden von den Verleihern zur Verfügung gestellt, so Greta-und-Starks-Chefin Seneit Debese. Mit den Verleihern werden derzeit Gespräche geführt, um Angebote für die Apps bereitzustellen. Neun Filme sind aktuell verfügbar.

? Wie sind die Rückmeldungen von Nutzern?

!Kinobesucher sind begeistert, so Debese, für die Menschen würde sich „ein großer Traum“ erfüllen.

? Was ist als Nächstes geplant?

!Technisch eine Datenbrille, die die Untertitel auf die Leinwand projizieren soll. Und inhaltlich? Nächste Woche startet in den deutschen Kinos die Komödie „Irre sind männlich“ mit Fahri Yarim und Milan Peschel, die sich als Singles in Selbsthilfegruppen einschleichen, um Frauen zu erobern.

Von Bettina Fraschke

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