Kummer mit Kummer

„Kiox“: Kraftklub-Sänger Felix Kummer mit Rap-Solodebüt 

Seine Soloplatte „Kiox“ verkauft Felix Kummer ab Freitag ausschließlich in seinem nur für drei Tage geöffneten Plattenladen in Chemnitz und über seine Homepage kiox-tontraeger.de.
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Seine Soloplatte „Kiox“ verkauft Felix Kummer ab Freitag ausschließlich in seinem nur für drei Tage geöffneten Plattenladen in Chemnitz und über seine Homepage kiox-tontraeger.de.

Kraftklub-Sänger Felix Kummer bring mit erstem Rap-Solodebüt - er will "Rap wieder weich und traurig machen".

Kritikern bietet er erst gar keine Angriffsmöglichkeit und stellt für die Generation Alpha und die Selbstoptimierer-Generation selbstbewusst klar: „Das ist nicht die Musik, die du suchst. Nicht die Musik, die du brauchst. Weder Rap über Businessmoves noch Motivation, keine Steh-wieder-auf“.

So beginnt das Soloalbum von Kummer. Hinter dem Namen verbirgt sich der Künstler Felix Brummer, Sänger der Band Kraftklub, der eigentlich Felix Kummer heißt. Mit „Kiox“, seinem Solodebüt will er Rap „wieder weich und traurig machen“.

Kummer findet klare Worte für die Dinge, die ihn bewegen

Er ist dabei so nahbar, wie es Kraftklub nicht zulassen würde. Die Songs der umjubelten Band sind dafür zu sarkastisch, selbstironisch und weniger persönlich. Ein ganz anderes Bild von sich zeichnet der 30-Jährige als Kummer – er lässt seine Hörer dicht an sich heran. Musikalisch ist das mal chilliger und mal druckvoll-energetischer, aber auch melancholischer Hip-Hop-Sound – zwölf Titel auf durchgehend hohem Niveau, exzellent produziert, getragen von seiner klaren, starken Stimme.

Kummer verpackt autobiografisches in seinen Raps

Die Geschichten, über die Kummer rappt, sind „teilweise autobiografisch und behandeln, was ich in meinem Leben erlebt habe“, sagt er. Treu bleibt sich der Musiker, der aus Chemnitz stammt, immer – bei Kraftklub und bei Kummer gibt es auf und neben der Bühne gesellschaftskritische Töne. Mit anderen Künstlern organisierte Kraftklub etwa das „#Wirsindmehr“-Konzert in Chemnitz, überhaupt setzt die Band immer wieder Zeichen gegen Rechtsextremismus. Felix Kummer sprach vor der Landtagswahl in Sachsen davon, seine Heimat zu verlassen, falls sich die AfD an der Regierung beteilige. „Ich bleib’ in Chemnitz“, sagt er jetzt. Abhauen sei keine Lösung.

Kummers Album ist eine Art musikalische Abrechnung

Über Begegnungen mit (rechten) Schlägern rappt er in „9010“ bekümmert, der Titel ist angelehnt an die alte Postleitzahl seiner Heimatstadt. Kummer zeigt nach all der Zeit und all den Jahren nicht mit den Fingern auf die, die früher 16-Jährigen die Zähne ausschlugen, sondern hat Mitleid mit ihnen. Sein Album ist dennoch eine Art der musikalischen Abrechnung. 

Kummer zeigt: Kluger Rap funktioniert auch ohne Kraftausdrücke

Eine, für die Rapper wie Kollegah und Capital Bra zu engstirnig sind und für die ihnen der feinsinnige Wortschatz, der Humor und auch der Mut zum echten Gefühl fehlt. Kummer zeigt, dass sich das Ringen um die Worte lohnt. Und: Dass Rap auch extrem gut und deutlich sein kann, wenn er nicht davon lebt, andere mit möglichst vielen Kraftausdrücken zu dissen. All das ist klug gemacht und voller Querverweise, etwa auf Kollegahs „Alpha-Mentoring“. Das Gefühl der Bitterkeit wird bei seinen Texten zum Feixen – dann zur „am Ende wird alles gut“-Hoffnung.

Kummer mit Selbstkritik und Tiefsinn

Kummer ist Polit-Rapper, aber nicht nur: „Bei Dir“ ist mit Abstand der schönste, tiefsinnigste, selbstkritischste und aufrichtigste Liebesrap des Jahres. „Der Rest meines Lebens“ (mit Max Raabe) und „26“ beschäftigen sich mit der Sinnsuche und sind schönste, smarte Rap-Poesie. Kummer balanciert seinen Kummer stets zwischen Bodenhaftung und charmanter Coolness. So zuversichtlich hat sich trauriger Rap wohl noch nie angehört.

Kummer: Kiox (Kummer & Eklat Tonträger)

Wertung: fünf von fünf Sternen

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