Kippen und Amore: Wanda im Kulturzelt Kassel

Verwegener Hüftschwung: Marco Michael Wanda. Foto: Zgoll

Kassel. Die Wiener Rockband Wanda ist ein Phänomen. Vor knapp drei Jahren gegründet, erspielte sie sich in kurzer Zeit den Ruf einer Band der Stunde. Gerade in Deutschland werden die fünf Österreicher heiß geliebt, und das merkte man auch bei ihrem umjubelten Auftritt im vollen Kasseler Kulturzelt.

Nur 75 Minuten dauerte das Konzert, aber es war prall gefüllt mit Tempo, Energie und einem berauschenden Kneipen-Existentialismus. Schon lange nicht mehr wurden die Themen Liebe, Alkohol und Tod so fulminant besungen wie bei der nach einer legendären Wiener Zuhälterin benannten Combo.

Zentrale Gestalt ist der Frontmann Marco Michael Wanda, der im bürgerlichen Leben Michael Marco Fitzthum heißt. Er grölt sich die Seele aus dem Leib, hat einen verwegenen Hüftschwung drauf und zündet sich wie seine Kollegen ungeniert Kippen auf der Bühne an. Ganz reizend: sein neckisch geöffnetes Hemd.

Fast erstaunlich ist die musikalische Eingängigkeit der Band, die Einflüsse von den Beatles bis zu Falco und Adriano Celentano erkennen lässt. Und dazu entwirft sie einen ganz eigenen Text-Kosmos.

„Amore“, „Baby“ und „Schnaps“ sind gern gebrauchte Vokabeln. Fantasiegestalten wie Thomas oder Tante Ceccarelli geistern durch die Stücke, eine typische Wanda-Zeile hört sich so an: „Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine schlafen, obwohl ich gerne würde, aber ich trau mich nicht.“

In einer Rauchpause klärt Sänger Marco darüber auf, dass der Wiener für das deutsche Unbewusste nur eine Projektionsfläche sei, denn es gebe gar keinen Wiener Schmäh: „Wir sind nicht lustig.“ Kann man gut verstehen, heißt es doch in einem anderen Lied: „Sterben wirst du leider in Wien, da g’hörst du hin.“

Das textsichere Publikum hat trotzdem einen Heidenspaß an Hits wie der Cousinen-Hymne „Bologna“ und will die Musiker nicht ziehen lassen. Zuletzt wiederholen Marco, Manuel Christoph Poppe, Christian Hummer, Reinhold Weber und Lukas Hasitschka das Lied „Luzia“. Auch so ein typischer Wanda-Text: „Tu mir weh, Luzia, oder irgendwer anders tut’s statt dir.“

Von Georg Pepl

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