Komiker Helge Schneider bringt Lokhalle zum Kochen

Klamauk und Jazz

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Komiker in Topform: Helge Schneider im samtblauen Anzug.

Göttingen. Helge Schneider begab sich gleich zu Beginn seines Auftrittes in der Göttinger Lokhalle auf dünnes Eis, als er die traditionsreiche Lokalität als „Lokschuppen“ bezeichnete. Doch die 2500 Zuschauer verziehen ihm diesen verbalen Tiefschlag umgehend.

Denn dann waren andere Ziel von Schneiders Späßen und Beleidigungen bei der Show „Rettung naht – Superhelgi auf Tournee“.

Neben seinem Schlagzeuger Willy Ketzer und seinem Kontrabassisten Ira Coleman („Die Musiker hab ich vom Arbeitsamt“) musste besonders Butler Bodo unter den derben Sprüchen leiden. „Du hast doch eine neue Freundin“, hielt Helge Schneider ihn auf, nachdem dieser ihm zum wiederholten Mal Tee brachte. „Dann ruf sie doch mal an“ – ihre Nummer sei ja im Fernsehen immer eingeblendet.“

Gerne zog Schneider auch über andere Bevölkerungsgruppen her. Seine Witze zielten dabei immer auf oder unter die Gürtellinie – egal ob gegen Frauen („Emanzipation find ich gut, die muss halt nur im Rahmen der Küche stattfinden“) oder gegen Vegetarier („Ich bin Vegetarier und esse wenn nur mal ’nen Sauerbraten – dafür aber einen vom Pferd“).

Sein berühmter Klamauk und die Grimassen zeigte der Komiker allerdings eher selten. Vielmehr stand besonders nach der Pause die Musik im Vordergrund. Minutenlange Jazz-Stücke präsentierten die Musiker. Helge Schneider spielte dabei selbst Klavier, Gitarre, Trompete und auch ein selbst gebautes Instrument – eine Art Mini-Keyboard, in das er wie in einen Dudelsack blasen musste.

Zu den reinen Akustikversionen präsentierte das Multitalent Helge Schneider auch Gesungenes. Neben dem bejubelten Klassiker „Telefonmann“ sang der Musiker auch noch andere Lieder. Diese waren gespickt mit dem typischen Humor des 56-Jährigen: unerkennbare Reimformen, kaum nachvollziehbare Handlungen und jede Menge Blödeleien.

Der Höhepunkt des Auftrittes war ein Duett mit Udo Lindenberg. Der stand natürlich nicht persönlich auf der Bühne in der Lokhalle, daher musste Helge Schneider beide Teile singen und imitierte den Alt-Rocker perfekt. Das Publikum in der Göttinger Lokhalle johlte – bereits vor dem gemeinsamen Refrain der beiden Künstler. Dann schwankte die Stimme von rauchig-nuschelig zu piepsig – und das innerhalb einzelner Wörter.

Von Reemt Bernert

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