Minimalistisch und sehr cool präsentieren sich die Jungs der britischen Band Fink im Kulturzelt

Klangpartikel mit dunklem Kern

Tüftler an der Gitarre: Fin Greenall ist der Frontmann von Fink. Foto:  Malmus

Kassel. Minutenlang steht Fin Greenall gitarrespielend auf der Bühne im Schatten, der Scheinwerfer hebt nur die Umrisse seiner Gestalt hervor, mit einer scharfen, gleißenden Kante aus Licht. Genauso klingt die Musik seiner britischen Band Fink, die am Donnerstag im halbvollen Kasseler Kulturzelt heftig beklatscht wurde. Der abgrunddunkle Kern der wunderbaren Songs wird von metallisch gleißenden Klangakzenten kontrastiert, bewahrt aber stets sein Geheimnis.

Camouflage-Hose, Cap, offenes Jeanshemd, Bart: Gitarrist und Sänger Fin Greenall, Schlagzeuger Tim Thornton und Bassist Guy Whittaker sind drei ultracoole Jungs, die wenig Kontakt mit dem Publikum aufnehmen und sich lang für die Zugaben bitten lassen. Ernst und konzentriert gehen sie ihren Auftritt an, tüftelig und perfektionistisch ist auch ihre Musik, die aus den Traditionen des TripHop und Neo-Folk gespeist wird.

Ein weich pulsierender, oft mit dem Besen gespielter Schlagzeug-Beat, der trockene Bass und bisweilen mit den Fingerknöcheln angeschlagene Gitarrensaiten ergeben einen einzigartigen Sog, einen vorwärtstreibenden Klangstrom, der abflaut und wieder aufbrandet, aber nie explodiert - wie die dunklen Wolkenberge eines aufziehenden Gewitters, aber ohne erlösenden Regenguss.

Die tiefe Stimme Greenalls fügt verhaltene Melodien hinzu, kühl wie aus dem Eisfach. Am stärksten gesangsbetont präsentiert sich die Ballade „Yesterday“ - „wir verlangsamen unser Tempo jetzt noch mal“, kündigt Greenall dazu an. In vielen Momenten nistet sich der Bass tief in der Magengrube ein, die fein ausbalancierten Melodie- und Klangpartikel funkeln auf und gleiten vorbei - so entsteht ein rauschhaftes Musikerlebnis, als wenn auf einer belebten Straße aus den Radios vorbeifahrender Autos Liedfetzen schallen. Am Ende kniet Fin Greenall am Boden, ackert an seinen Effektgeräten und lässt die Tonkulisse dann verebben.

Heute im Kulturzelt: Soul-Sänger Charles Bradley, Beginn: 19.30 Uhr.

Von Bettina Fraschke

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