Das Quartett der Brüder Wasserfuhr bildete den Abschluss des Jazzfrühlings

Wo Klangwolken verdampfen

Geschmeidiger Beat: Julian (Trompete) und Roman Wasserfuhr (Piano, Klavier) im Theaterstübchen. Foto: Malmus

Kassel. Allem Frühlingserwachen wohnt ein Zauber inne. Wie ließe sich dem besser Beine machen als mit einer gehörigen Portion Live-Jazz? An vier Spielorten präsentierte Veranstalter Markus Knierim in einem Festival eine prickelnde Mixtur aus allem, was den Reiz des Jazz ausmacht: großer, swingender Bigbandklang und viel versprechende Talente in klassischer Quartettbesetzung wie die Brüder Wasserfuhr, die zum Abschluss im gut besuchten Theaterstübchen begeisterten.

Die Formation aus jungen Musikern gehört zu jenen Hoffnungen, die durch ihren frischen Zugang dem Jazz ein neues Publikum erschließen können. Zumal man sich an Julians wunderbar luftigem, an Chet Baker geschultem Trompetensound nicht satt hören kann. Doch bei aller lyrischen Finesse und einem ausgeprägten Sinn für Klangfarben pulsiert ein geschmeidiger Beat durch ihre Musik, der diesen Jazz auch für Nicht-Puristen attraktiv macht.

Nicht zu überhören, dass die Brüder seit der Aufnahme ihrer zweiten CD in Göteborg die Einflüsse von zeitgemäßen schwedischen Neutönern wie e.s.t. immer deutlicher verarbeiten. Geschmackvoll setzen sowohl Roman am Klavier als auch Julian phasenweise Hall, Echogeräte und Klangverfremdungen ein, die Dynamik und Stimmungen atmosphärisch aufladen. Ihr „Song for E.“, den sie dem verstorbenen Pianisten Esbjörn Svensson widmen, war ein Highlight: eine Elegie, in der die anrührend getragenen Intervalle der Trompete wie schwere Klangwolken verdampfen. Zum Schluss legt das Quartett bei der Eigenkomposition „You’re a friend of mine“ los wie die Feuerwehr, Roman bringt die Tasten mit verdichteten soul-groovigen Läufen zum Tanzen.

Jazz, das machte auch dieses krönende Abschlusskonzert deutlich, ist ein Live-Erlebnis. In diesem Sinne: Auf ein Neues im nächsten Jahr!

Von Ullrich Riedler

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