Klassenspiel der Waldorfschule: Was im Leben wichtig ist

Hat kein Erbarmen: Pia-Marie (Elisa Heinemann) verkündet die Bedeutungslosigkeit des Lebens. Foto:  Wienecke

Kassel. Mit donnerndem Applaus bedankten sich Freitagabend 400 Besucher im Festsaal der Freien Waldorfschule für das packende Klassenspiel von 18 Schülern.

„Nichts - Was im Leben wichtig ist“, der Roman der Dänin Janne Teller über die Suche nach dem Lebenssinn wurde bei seinem Erscheinen kontrovers diskutiert, heute ist er Abiturstoff. Es geht um Tabubrüche und Abgründe, vor denen auch junge Seelen nicht gefeit sind.

„In der 8. und der 12. Klasse wird traditionell ein Klassenspiel aufgeführt. Es ist wichtig, nichts Belangloses zu machen“, sagt Deutschlehrerin Sonja Friedrichs. Sie hat für die 12 A eine Bühnenfassung geschrieben und Regie geführt. Pierre Anthon wird zu Pia-Marie, der Pflaumenbaum zum Leiter-Hochsitz. „Nichts bedeutet irgendetwas. Deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun“, verkündet Pia-Marie und reißt ihren Mitschülern den Boden unter den Füßen weg.

Auf der Suche nach Bedeutung tragen sie

persönliche Dinge zusammen. Als Agnes ihre geliebten Sandalen hergeben muss, kommt Rache ins Spiel. Rosa soll Ballettschuhe abliefern, Meike ein Teleskop, Ole eine Flagge, Ingrid ihr Tagebuch. Die Schüler fordern die Adoptionsurkunde von Anna-Li und graben die Urne von Elises kleinem Bruder aus. Marie-Ursula geht es an die blauen Haare, auch bei Kreuz und Kopftuch gibt es keinerlei Gnade. Hans fordert aus Wut über den Verlust seines Fahrrades die Unschuld von Sophie. Sie verlangt den Zeigefinger von Jan-Johann, der Gitarre spielt.

Presse und Kunstszene sind vom Berg der Bedeutung begeistert, die Polizei ist entsetzt. Pia-Marie verspottet ihre Mitschüler weiter. Dann geht alles in Flammen auf. Auf der Beerdigung ist sie da, die gesuchte Bedeutung, aber anders als erwartet. Toll inszeniert und gespielt, großartige Rollenbesetzung.

Von Bettina Wienecke

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