Klassik im Bilderrausch: „Sacre Du Printemps“ in Göttingen

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Vielfalt aus Tanz und Musik: Göttinger Schüler tanzten in der Lokhalle zur Musik des Symphonie-Orchesters.

Göttingen. Die Vision, die den Komponisten Igor Strawinski (1882-1971) zu seinem Ballett „Le Sacre Du Printemps“ inspirierte, war nicht grade jugendfreundlich. „Alte weise Männer schauen dem Todestanz eines Mädchens zu, das geopfert werden soll, um den Frühlingsgott günstig zu stimmen“, heißt es in seiner Autobiografie.

Sehr viel fröhlichere Stimmungsfarben und neue Interpretationswege wurden am Freitag und Samstag beim „Festival für modernen Tanz und Klassische Musik“ in der ausverkauften Lokhalle in Göttingen generiert. Eine mitreißende Großproduktion wurde hier aus Anlass des 100. Geburtstags dieses Balletts auf die Bühne gestemmt. 80 Göttinger Schüler kooperierten dafür mit der Göttinger Balletschule „Art La Danse“. Geprobt wurde über ein halbes Jahr.

Der künstlerischen Leiterin Judith Kara ging es nicht um die Opferzeremonie, sondern um Identitätssuche und Opferbereitschaft in der heutigen Zeit – chronologisch an die Entwicklung eines jungen Menschen geknüpft. So viel zur Kopfarbeit.

Was diese Großproduktion aber zu einem Fest machte, waren die ausdrucksvoll getanzten Bilder und die prächtig intonierte Musik. Auf der Bühne zelebrierte das Göttinger Symphonie-Orchester unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller zunächst Beethovens Symphonie Nr.5 c-Moll, dann „Le Sacre du Printemps“.

Davor wirbelten, drehten, tanzten oder formierten sich bis zu 80 Tänzer auf drei ebenerdigen Lichtbühnen (riesige, kreisrund ausgeleuchtete Flächen) zu Gruppenbildern, Körperskulpturen, Tanzreigen, und synchronen Mustern. Und das häufig zeitgleich, aber zu völlig unterschiedlichen Choreografien. Hierhin, dorthin und wieder zurück flog das Auge des Betrachters.

Eine lebendige, ausdrucksstarke Vielfalt aus Tanz und Musik verschmolz. Der dramaturgische Höhepunkt: Ein kleines Mädchen kauerte mit seiner Puppe im Arm ängstlich auf einem Stuhl – einen Lichtkreis weiter tanzte sich eine erwachsene Künstlerin die Seele aus dem Leib.

Spiegelungen? Darüber wurde eifrig diskutiert. Nicht aber über die Qualität dieses Festivals. Riesiger Schlussapplaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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