Musik-Winternacht in Sandershausen

Klassik ganz ohne Snobismus

NIESTETAL. Hochschulprofessoren servieren Sekt - das kommt nicht alle Tage vor. Eine halbe Stunde nach Mitternacht war es, als in Niestetal-Sandershausen bei der 20. „Langen musikalischen Winternacht“ der letzte Ton verklang. Danach ging es im voll besetzten Gemeindehaus ans Feiern, und einige unter den Musikern waren sich nicht zu schade, den Leuten ganz freundschaftlich die Gläser zum Anstoßen zu reichen.

Ein herzliches Verhältnis zwischen Künstlern und Publikum zählt sicher zu den Erfolgsgeheimnissen der Sandershäuser Konzerte, die man überdies immer bei freiem Eintritt genießen kann. Klassik ohne Snobismus ist dort zu erleben. Und natürlich viel gute Musik. So auch bei der viereinhalb Stunden langen Konzertnacht.

Die erste Hälfte gab es bei Kerzenschein in der Sandershäuser Kirche. Perfekt mit der beschaulichen Atmosphäre harmonierten die von drei Musikern des Staatstheaters Meiningen dargebotenen Weihnachtsstücke des Franzosen André Jolivet. Nach barocken Preziosen für Orgel und Trompeten übersiedelte man ins Gemeindehaus, wo einen Antonín Dvoáks Klavierquintett A-Dur op. 81 erwartete. Niveauvoll gespielt von Larissa Kondratjewa, Professorin an der Weimarer Musikhochschule, und von vier Streichern des Philharmonischen Orchesters Erfurt.

Es wurde auf satirische Weise seelenentblößend mit Texten eines Dichters, den der wahlverwandte Woody Allen einmal den Größten überhaupt genannt hat: Tragikomische Monologe von Anton Tschechow standen mit dem Schauspieler Bernd Lange vom Deutschen Nationaltheater Weimar auf dem Programm. Sehr fesselnd - ebenso wie die russischen Tangos, die ein Trio um den Pianisten Reinhard Schmiedel schwungvoll daherkommen ließ.

Zuletzt hatte der Kasseler Pianist Iwan Urwalow ein starkes Solo und widmete sich mit Grandezza dem vor knapp 200 Jahren geborenen Klaviergenie Frédéric Chopin.

Von Georg Pepl

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