Trio Amethyst spielte Schubert, Schumann und Chopin im Staatstheater

Klassik von Teenies

Kassel. Abwertend heißt es oft, Klassik sei Musik alter Leute. Selbst wenn dies stimmen würde, wäre es kein Makel. Es ist aber falsch, wie das Kammerkonzert im Opernfoyer mit zwei Teenager-Stücken demonstrierte: Franz Schubert hat seinen Triosatz B-Dur mit 15 Jahren geschrieben, Frédéric Chopin sein Klaviertrio g-Moll mit 18 Jahren. Und beide Werke sind keineswegs dürftig.

Unüberhörbar, dass Chopin seine Jugend mit Klavierüben verbracht hat - nicht mit Interviews und Starrummel.

Das einzige Klaviertrio des polnischen Großmeisters, das bei Musikwissenschaftlern einen schweren Stand hat, ist hinreißende Musik - wenn es so inspiriert wie vom Trio Amethyst gespielt wird. Michael Kravtchin (Klavier) meisterte die anspruchsvolle Virtuosenaufgabe mit Verve. Elvan Schumann (Violine) und Manfred Schumann (Violoncello) unterstützten mit differenzierten Streicherklängen die Atmosphäre der elegant-leidenschaftlichen Komposition.

Wie eine schier endlose Kette kann der erste Satz von Chopins Klaviertrio wirken. Hier war er überlegen gegliedert, das Auf und Ab jugendlicher Gefühlserregung wurde deutlich gemacht. Überhaupt hatte das Trio Amethyst viel an der Artikulation, an den Betonungen und Akzenten gefeilt, was auch dem eloquenten Schwung von Robert Schumanns gewichtigem Trio F-Dur zugutekam.

Zuletzt erlebten die kräftig applaudierenden 110 Zuhörer noch einen weiteren Vorzug: Mit Klassik kann man ohne Fahrkarte nach Paris reisen. Denn in der Zugabe ging es mit Camille Saint-Saëns in einen duftenden französischen Salon.

Von Georg Pepl

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