Ausverkaufte Jahrhunderthalle

Klassisch gut: Milky Chance mit HR-Sinfonieorchester

+
Viele neue Klangfarben: Milky-Chance-Sänger Clemens Rehbein in der ausverkauften Frankfurter Jahrhunderthalle mit dem HR-Sinfonieorchester unter der Leitung von Evan Christ.

Frankfurt. Die Clubs und Festival-Arenen haben Milky Chance bereits gerockt. Nun eroberte das Kasseler Pop-Duo mit dem HR-Sinfonieorchester auch die Klassikwelt für sich.

Kurz vor Ende Ende des Konzerts von Milky Chance mit dem HR-Sinfonieorchester verließ Clemens Rehbein für einen Moment die Bühne in der Frankfurter Jahrhunderthalle. Der Sänger des Kasseler Pop-Duos hatte sich auf Tour zuletzt eine Erkältung eingefangen. Nun hatte er einige Taschentücher verbraucht und in den Pausen immer wieder in die Armbeuge gehustet.

Rehbein verließ die Bühne, trank heißen Honig, kam zurück und sang den Hit „Stolen Dance“, den das hundertköpfige Orchester zur Streicherhymne machte, wie man ihn noch nicht gehört hatte. Seine ohnehin schon coole Reibeisenstimme klang noch mehr nach Tom Waits als sonst.

So ein Abenteuer wie das Music Discovery Project, bei dem das Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks Jahr für Jahr mit Pop-Stars wie Paul van Dyk und 2raumwohnung auftritt, würde man sich als Musiker selbst mit 40 Grad Fieber nicht entgehen lassen.

300 Konzerte haben Sänger und Gitarrist Rehbein und Beat-Bastler Philipp Dausch in nicht einmal zwei Jahren gespielt, ausverkaufte Club-Konzerte und große Festival-Gigs selbst in Australien. Aber mit einem Orchester zusammenzuarbeiten ist doch „ein großes Ding“, wie Rehbein im Vorfeld zugab: „Wir sind ein bisschen nervöser als bei normalen Konzerten.“

Sonst spielen die Nordhessen ohne Noten. Nun wurden extra Partituren für ihre Songs geschrieben. Für die 2100 Zuschauer in der ausverkauften Jahrhunderthalle mag es überraschend gewesen sein, wie gut die minimalistischen Folktronic-Songs von Milky Chance mit dem Bombast eines Orchesters harmonieren können.

US-Gastdirigent Evan Christ, der die Hits der Kasseler gern beim Laufen hört, wippte wie ein Club-Besucher zu den lässigen House-Beats. Das melancholische „Becoming“ erhielt durch die Harfen eine zusätzliche Klangfarbe. Das treibende „Running“ ging in Ludwig van Beethovens „Trauermarsch“ über.

Die unterschiedlichen Musikwelten wurden nicht mit Gewalt zu einer zusammengefügt. Manchmal ergänzten sich Orchester und Band abwechselnd. Schon beim Intro hatte Rehbein mit einem Sixties-Surfsound auf der Gitarre überrascht. Dausch lieferte nicht nur die Samples, sondern sorgte auch mit Percussion und elektronischen Drumpads für Live-Beats. Und Antonio Greger, der aus dem Duo bei Konzerten ein Trio macht, glänzte mit der Mundharmonika.

Sehr organisch wirkte das alles, was die älteren Klassikliebhaber im Publikum ebenso begeisterte wie die jungen Club-Gänger. Nach zwei Stunden gab es schon während der Zugabe „Down By The River“ Standing Ovations.

Milky Chance und speziell Rehbein hätten sich nun eine Pause verdient. Aber schon in zehn Tagen wartet das nächste Abenteuer. Dann geht es für die Kasseler auf große US-Tour.

Das zweite Konzert wird am Samstag, 20 Uhr, live auf www.hr-sinfonieorchester.de und www.youfm.de übertragen. Anschließend steht es dort als Video on Demand bereit.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.