Die geglückte Verfilmung der Kinderbücher „Der kleine Nick“ von Laurent Tirard

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Ein Leben in den muffig-behäbigen Frühsechzigern: Der kleine Nick (Maxime Godart), seine Mutter (Valérie Lemercier) und sein Vater (Kad Merad). Foto:  apn

Zu den französischen Nationalheroen zählen nicht nur Jeanne d’Arc, Rousseau und Voltaire, sondern auch Asterix der Gallier und „Der kleine Nick“.

Mit dieser Figur haben die beiden großen Humoristen René Goscinny und Jen-Jacques Sempé den Beweis erbracht, dass Alltag aus Kindersicht ein fantastisches Abenteuer ist.

Sich streitende Eltern, Klassenstreber, die sich erst die Brille absetzen, bevor sie verprügelt werden, ewig stänkernde Nachbarn, arrogante Mädchen, die sich doch als „prima“ erweisen, der dicke Freund Otto, der ständig Essen in sich hineinstopft, oder der ewig genervte Hilfslehrer „Hühnerbrüh“: Der tägliche Wahnwitz liegt vor und direkt hinter der Haustür und sorgt für famose Abenteuer.

Es war nur eine Frage der Zeit, dass der kleine Nick in die Kinos kommt. In Frankreich ist die Verfilmung von Laurent Tirard (Regie) und Alain Chabat (Buch) ein Kassenknüller, und das wohl nicht nur aus patriotischen Gründen. Ihre Adaption ist nämlich richtig gut gelungen.

Aber wie verfilmt man 160 Kurzgeschichten? Indem man keine Nummernrevue zusammenschneidert, sondern den Geist der Vorlage trifft. Tirard ist nicht der Verlockung erlegen, die Story in Anbiederung an den Zeitgeist modisch aufzumöbeln. Er hat sie da gelassen, wo sie am besten funktioniert: In den muffig-behäbigen Frühsechzigern, wo schon der Kauf eines Fernsehers eine Sensation darstellte und der Besuch des Chefs den häuslichen Ausnahmezustand heraufbeschwor.

Sein beschauliches Vorstadtdasein sieht der kleine Nick (Maxime Godart) jäh in Gefahr. Er glaubt, dass seine Eltern (Valérie Lemercier und Kad Merad) Nachwuchs bekommen. Natürlich würden sie ihn im Wald aussetzen, was sollten sie schließlich noch mit ihm anfangen? Sein trübes Schicksal muss abgewendet werden, und seine Freunde helfen. Das ist äußerst charmant umgesetzt, und die jungen Schauspieler agieren so ungezwungen, als spielten sie ihr eigenes Leben.

In die Story haben Tirard und Chabat bekannte Episoden und Motive aus den Büchern eingeflochten. Wer die Originale kennt, freut sich über die Anspielungen, wer sie nicht kannte, will sie vielleicht endlich lesen. Mehr kann man von einer guten Literaturverfilmung nicht wollen.

Genre: Komödie

ohne Altersbeschränkung

Wertung: !!!!!

www.hna.de/kino

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