Streit um Antoine de Saint-Exupérys Erbe

Der kleine Prinz als Manga-Figur

Plakat zur neuen Reihe mit dem Prinzen

Paris. Die Menschen züchten 5000 Rosen in einem Garten und finden doch nicht, was sie suchen. Dabei könnte das in einer einzigen Rose liegen. „Aber die Augen sind blind. Man muss mit dem Herzen suchen.“

Es sind berückend einfache Wahrheiten, die der kleine Prinz findet, nachdem er von seinem Asteroiden auf die Erde gefallen ist. Die illustrierte Erzählung des französischen Autors und Fliegers Antoine de Saint-Exupéry bezaubert seit 1943 auch die „großen Leute“. Vielleicht erreicht sie sie heute sogar leichter als die Kinder, die sich mehr für Mangas begeistern als für einen flüchtig skizzierten kleinen Prinzen. Nun wird er selbst zum Actionhelden mit riesigen Augen und Glitzer-Kostüm. Ein Sakrileg?

Eine Gesellschaft zur Nachfolge von Saint-Exupéry, der nach einem Flug am 31. Juli 1944 verschollen blieb, will dessen Schöpfung in die Moderne übersetzen mit einer Animationsserie, die in 80 Ländern ausgestrahlt werden soll. Die erste der 52 Episoden wird in Frankreich am Weihnachtsabend laufen. Seit drei Jahren wird daran gearbeitet, das Budget liegt bei 18,6 Mio. Euro. Olivier d´Agay, Großneffe des Autors und Chef der Gesellschaft, verspricht einen „Multimedia-Prinzen für die Kinder des 21. Jahrhunderts“, der Saint-Exupérys Erbe nicht hintergehe. Denn das sei ohnehin rostfrei, „unantastbar“. Wirklich?

Puristische Liebhaber des naiven und doch so weisen Helden stöhnen auf. Der moderne kleine Prinz wird selbst zum Erzähler. Der Fuchs, der im Original behutsam gezähmt werden muss, tritt als vorlauter Begleiter auf. Die stolze Rose erhält ein Frauengesicht – Deutlichkeit verpflichtet.

Kritiker fürchten, dass der so kleine Prinz als Geldmaschine missbraucht wird. Bis heute wurden weltweit 145 Mio. Exemplare verkauft, es gibt Verfilmungen, Comics, als Marke prangt der Prinz auf Fan-Artikeln, 2014 soll ein 3D-Film herauskommen. Dass sich Saint-Exupérys Nichten und Neffen das Copyright gesichert haben, erzürnt José Martinez Fructuoso, den Erben von Saint-Exupérys Witwe Consuelo: Er sei übergangen worden.

Nach dem Tod des Autors waren die Rechte zwischen Consuelo – der geliebten „Blume“ in der Erzählung – und der Familie aufgeteilt worden. Seither führen beide Parteien einen erbitterten Erbstreit. Dieser weist auf den Konflikt zwischen Consuelo und der Familie zurück, die dort nie akzeptiert war. Zumal sein Herz wohl nicht ihr allein gehörte: Saint-Exupéry soll sich mehrere „Rosen“ gezähmt haben.

Von Birgit Holzer

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