Traumhafte Momente: Das Lynne Arriale Quartett im Theaterstübchen

Kleine Sternstunde

Erstklassig: Lynne Arriale am Piano. Foto: Schoelzchen

Kassel. Komplimente gab es zuhauf. Lynne Arriale, die 52-jährige Pianistin, fühlte sich sichtbar wohl „in this nice Jazzclub”. Und Arriale, die vergleichbare Jazzerinnen wie Joanne Brackeen und Renee Rosnes längst hinter sich gelassen hat, zahlte dem begeisterten Publikum mit einer kleinen Sternstunde in aufgeklärtem Mainstream zurück.

New York mit seiner unvergleichlichen Jazzszene war an diesem Abend gleich vor der Haustür. Weltklassekönner waren das allesamt auf der Bühne des Theaterstübchens: Arriale, die die originelle Rhythmik eines Thelonious Monk mit der Modalität Herbie Hancocks und der lyrischen Finesse Bill Evans in kraftvollem Spiel und stupender Technik zu verbinden weiß, profitiert zudem ungemein von ihren Sidemen: vorneweg der ewig große, unterbewertete Kontrabassist George Mraz sowie Anthony Pinciotti, dessen alles andere als ermüdendes, fulminantes Schlagzeugsolo zum Klassiker „Night in Tunisia“ so druckvoll wie hoch musikalisch war.

Nicht wenige aber kamen vor allem wegen einem: Randy Brecker. Die Kappenmütze weit ins Gesicht gezogen, die Augen geschlossen, gab sein Trompetenspiel den Standards und Eigenkompositionen Arriales erst die richtige Würze. Mal sparsam das Thema akzentuierend, mal in stratosphärisch hohen Glissandi - der 64-jährige Brecker zählt zu den Großen seines Fachs.

Vielleicht der schönste Moment dieses erstklassigen Konzerts war die berückend schöne, selten gespielte „Ballad of the Sad Young Men“, bei der Randy den Dämpfer einsetzte und ein traumhaftes Solo spielte. Solche Momente sind selten geworden in der schnelllebigen Konzertszene. Wer dabei war, wird sie so schnell nicht vergessen.

Von Ullrich Riedler

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