Patrik Ringborg dirigierte Carl Orffs „Carmina Burana“ beim Neujahrskonzert des Staatsorchesters im Opernhaus

Neujahrskonzert des Staatsorchesters im Opernhaus

Musikalischer Start ins neue Jahr: Patrik Ringborg dirigierte Carl Orffs „Carmina Burana“, hier mit dem Solisten Stefan Adam (Bariton). Foto: Malmus

Kassel. Ein Wink der Glücksgöttin Fortuna war es, als Carl Orff (1895-1982) den Nachdruck der mittelalterlichen Carmina Burana zu Gesicht bekam. In einem Schaffensrausch vertonte er darauf eine Auswahl der Liedtexte aus dem Kloster Benediktbeuren und schuf so einen Musik-Dauerbrenner des 20. Jahrhunderts. Ironie in dieser Erfolgsgeschichte: Ausgerechnet Igor Strawinsky, dem der Münchner Komponist stilistisch viel verdankt, ätzte über die vermeintliche „neo-neandertalsche Schule“.

Dabei bildet das Urwüchsig-Elementare nur eine Seite des Stücks. Auch beim Neujahrskonzert des Staatstheaters im ausverkauften Opernhaus verfehlen die berühmte Anrufung der Glücksgöttin und die anderen Kraftstellen nicht ihre Wirkung. Doch gibt es auch weitere Valeurs: zarte, geheimnisvolle, groteske.

In Abkehr vom romantischen Orchesterklang ist Orffs Partitur von kunstvoller Einfachheit. Generalmusikdirektor Patrik Ringborg und das mit viel Schlagzeug aufgestockte Staatsorchester loten hellhörig die ökonomisch gesetzten Klänge aus. Und der Dirigent genießt es mit tänzelndem Schwung, wenn die Musik unversehens einen süffigen Charme bekommt.

Imposanter Auftritt

Ebenso differenziert singt der Opern- und Extrachor des Staatstheaters - ein imposanter Auftritt, auch wenn die Frauenstimmen in „Floret silva nobilis“ nicht gerade leicht vibrieren. Bariton Stefan Adam tritt mit vollem Einsatz an, fast ungeschützt ausdrucksvoll und setzt im zweiten Teil „In Taberna“ einen prallen Akzent als Abt von Kukanien, der einen Konvent mit seinen Saufbrüdern hält.

Einen grotesken Effekt liefert das hohe Fagott im Lied des gebratenen Schwans, für das der Tenor János Ocsovai einen charakteristischen Ton findet. Im dritten Teil „Cour d’amours“ glänzen der souveräne Kinderchor Cantamus und die mit inniger Leichtigkeit singende Sopranistin Ingrid Frøseth.

Vor dem langen Beifall wird nochmals Fortuna angerufen: Das Glück ist so veränderlich wie der Mond, das Schicksal ein rollendes Rad.

Wiederholung: Sonntag, 8. Januar, 18 Uhr, Opernhaus.

Von Georg Pepl

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.