Comedian Alfons im Bürgerhaus Vellmar-West

Klischeereiterei mit Puschelmikrofon

Als Reporter unterwegs: Comedian Alfons. Foto:  nh

Vellmar. Das deutsche Festhalten an Vorschriften ist ein beliebtes Thema bei Auftritten des französischen Comedian Alfons. Ein wenig französische Protestkultur zu übernehmen, würde unserem Volk gut tun, so seine Grundthese. Schließlich sei es in Deutschland schwer möglich, einen Molotow-Cocktail ins Finanzamt zu schleudern – kaum habe man die Bombe geworfen, müsse man hinterherrennen und sie zurückholen – wegen des Flaschenpfands. So stelle es für einen Franzosen einen vergleichbar großen Reiz dar, eine rote Ampel zu überschreiten, wie ein unausgefülltes Formular nebst Kugelschreiber einen Deutschen in Versuchung führen müsse.

Im vollbesetzten Bürgerhaus Vellmar-West bot Emmanuel Peterfalci mit seiner gewohnt salopp gekleideten Figur des Reporters Alfons beste Unterhaltung.

Den Schwerpunkt seines Programms bildete die sehr persönliche Geschichte seiner Jugendfreundschaft mit Jerôme und Jean-François, und die jahrelange Bekanntschaft mit dem ebenso rätselhaften wie weisen Sonderling Archimedes, der den Jungs wichtige Botschaften auf den Lebensweg gab und dessen Spur sich plötzlich verlor. Als die drei Männer sich nach 20 Jahren wieder begegnen, ist einer von ihnen Bürgermeister geworden, was den Dreien die Möglichkeit gibt, im Rathaussaal ein einst unabgeschlossenes Fußballspiel zu Ende zu bringen.

Anstatt in Betroffenheitsrhetorik zu fallen, fokussierte Alfons beim Thema Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo auf einen lustigen Zwischenfall: Mit Bildern zeigte er, wie Karikaturist Renald Luzier sich beim Pariser Trauerprotestmarsch vom 11. Januar köstlich über einen Fleck Taubendreck auf der Jacke von Staatspräsident François Hollande amüsierte.

Ergänzt wurde das Programm mit der Einspielung mehrerer Sequenzen seiner beliebten Straßeninterviews mit dem Puschelmikrofon, bei denen Alfons Autobastler, Nacktwanderer und Hundezüchter aufs Korn nahm.

Von Johanna Wohlkopf

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