Stipendium: Angela Hiller erarbeitet Unterricht mit Künstler

Wie Klischees wirken

Beim Schneiden: Aaron Sondermann (von links), Stipendiatin Angela Hiller, Natascha Neumann und Benjamin Fey. Foto: von Busse

Fuldatal. Da gibt es den attraktiven, umschwärmten, coolen Sportler und den schlauen, aber schüchternen Streber. Den ungestylten, hässlichen Außenseiter und das hübsche, begehrte Cheerleader-Mädchen.

Kiss-Stipendium

Der Fachverband für Kunstpädagogik BDK, die Robert Bosch Stiftung und die Siemens Stiftung fördern mit dem Stipendium „Kiss - Kultur in Schule und Studium“ die Vermittlung aktueller Kunst an Schulen. In Begegnungen mit Künstlern erarbeiten die Stipendiaten Unterrichtskonzepte, die sie bei Praktika in Schulen umsetzen und dokumentieren. Infos: www.bdk-online.info/kis

TV-Serien leben von Klischees. Wie Rollenvorstellungen im Fernsehen funktionieren, das untersucht zurzeit die Klasse 9a der Gesamtschule Fuldatal, indem sie aus Serien-Ausschnitten selbst kleine Filme schneidet. Es ist ein Verfahren, das auch der Künstler Christoph Girardet anwendet: Er reißt, beispielsweise im Film „Fiction Artist“, Szenen aus dem ursprünglichen Kontext und montiert sie neu. So zeigt er, wie unsere Wahrnehmung durch mediale Beeinflussung zu steuern ist. Angela Hiller, die in Kassel Kunstpädagogik sowie Mathe studiert und in Fuldatal als „U-plus-Kraft“ ab und zu Vertretungsunterricht erteilt, hat ihr Unterrichtsprojekt für die 15- und 16-Jährigen gemeinsam mit Girardet erarbeitet. Das ist die Idee des Kiss-Stipendiums, das Hiller in diesem Jahr ergattert hat (siehe Kasten): Unterrichtsideen werden von angehenden Kunstlehrern und bekannten Künstlern gemeinsam erarbeitet.

„Absolut hilfreich“ fand die 24-Jährige ihre Besuche in Girardets Atelier in Hannover. Er habe sie ermutigt, die technischen Voraussetzungen gering zu halten und sich auf inhaltliche Aspekte zu konzentrieren. Also stellte Hiller einen Pool mit 50 bis 60 Szenen aus den bei Schülern beliebten Serien „One Tree Hill“ und „O.C., California“ selbst zusammen. Montiert werden sie in Gruppen an den schuleigenen Notebooks. „Schade, dass keine Zeit dafür war, dass die Schüler brauchbares Material selbst auswählen“, bedauert die gebürtige Ingelheimerin.

Doch deren Blick für den eigenen Medienkonsum wird geschärft, und auch ein Gespür für Schnitte, Rhythmus und Spannung bekommen sie. Einen weiteren Vorteil hat das Projekt: „In letzter Zeit haben wir nur gemalt“, sagt Aaron Sondermann (16), „das ist mal eine andere Art von Kunst.“

Von Mark-Christian von Busse

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