Klüger werden mit Mieze: Das neue Album von Mia

Kann ihren Schlüssel nie verlieren: Sängerin Mieze Katz (mit tätowiertem Schlüssel) sowie die anderen Mia-Musiker (von links) Bob Schütze, Andy Penn (der mit Juli-Sängerin Eva Briegel zusammen ist) und Gunnar Spies. Foto: Universal

Die Berliner Band Mia polarisiert schon seit 18 Jahren. Das neue Album heißt "Biste Mode", was auf Berlinerisch so viel heißt wie "Auf dem Kieker haben". Im Herbst treten Mia in Kassel auf.

Ein Interview mit der Sängerin der Berliner Band Mia ist nicht immer einfach. Auf die Frage, was in ihrem Ausweis stehe, ihr Künstlername Mieze Katz oder ihr Geburtsname Maria Mummert, sagt die 36-Jährige: „Ich wüsste nicht, was dich das angeht.“

Eigentlich gar nichts, aber man wird ja mal fragen dürfen. Von Mieze und ihrer Band Mia kann man einiges lernen. Zum Beispiel, dass man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen sollte. Auch sonst bietet das sechste Mia-Album „Biste Mode“ mit seiner abwechslungsreichen Mischung aus Pop, Elektropunk, Chanson, Schlager und House einige wichtige Erkenntnisse.

1. An Kritik kann man wachsen. Wegen ihrer offenen Art ist Mieze schon öfter angeeckt, seit sie 1997 Mia mit ihrem ehemaligen Mitschüler Andi Ross vom Berliner John-Lennon-Gymnasium gründete. Mit Bands wie Wir sind Helden zählte die Electropunk-Formation zur neuen Neuen Deutschen Welle. Nach einem Lied über die Liebe zum Vaterland wurden die Musiker von Fans mit Eiern beschmissen. Kollegin Christiane Rösinger erklärte Mia zur „dümmsten und nervigsten Band“ der Stadt. Mittlerweile ist Mieze darüber hinweg: „Die Kritik hat was Tolles mit uns gemacht. Sie hat uns zusammengeschweißt.“

2. Manchmal ist es besser, die Notbremse zu ziehen. Für „Biste Mode“ haben Mia zum ersten Mal einen Veröffentlichungstermin verschoben. „Nach drei Viertel der Aufnahme stellten wir fest, dass wir nicht zufrieden waren“, sagt Mieze. Die Band nahm sich eine Auszeit, es gab „großes Geschrei“. Das hat sich gelohnt, wie man in den 15 Songs hören kann. Von diesem Auf und Ab handelt der Song „Berg & Tal“. Das beste Lied ist jedoch das Titelstück. „Biste Mode“ ist ein Berliner Ausdruck für „Auf dem Kieker haben“. Schon ihre Oma sagte das einst zu Mieze. Ein schönes Wortspiel: Manche haben Mia immer noch auf dem Kieker, und trotzdem sind ihre Songs weiterhin in Mode.

3. Weniger ist mehr. Am 18. November gastieren Mia im Kasseler Theaterstübchen. Statt in anonymen Arenen tritt die Band in heimeliger Club-Atmosphäre auf. „Uns geht es nicht um ein ,Höher, Schneller, Weiter’, wir wollen dem Publikum nah sein“, sagt Mieze.

4. Liebe kann Berge versetzen. Dass viele Songs lieblich und positiv sind, liegt daran, dass Mieze bei den Aufnahmen frisch verliebt war. „Liebe kann Berge versetzen“, sagt sie. Selbst die Fremdgeh-Nummer „Schick mich“, auf der die Frontfrau mit Felix Räuber von Polarkreis 18 zu hören ist, klingt irgendwie süß.

5. In Castingshows kann man Geld verdienen. Echt? 2014 saß Mieze neben Dieter Bohlen in der Jury von „Deutschland sucht den Superstar“ bei RTL. Fragt man die Sängerin, ob sie das wegen des Geldes gemacht habe, antwortet sie: „Mir wurde erst hinterher bewusst, dass man ein Honorar bekommt.“ Manchmal ist Mieze naiv wie eine Maus, die wegen des Specks in die Falle tappt.

Vielleicht klingt „Biste Mode“ aber auch wegen ihres „DSDS“-Engagements so frisch: „Mir ist bewusst geworden, dass ich den Traum, den die Kandidaten noch träumen, bereits lebe. Ich habe noch mehr Lust auf Musik bekommen.“

Mia: Biste Mode (Universal). Wertung: vier von fünf Sternen

Mia: 18. November, Theaterstübchen Kassel. HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

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