Mit hyperaktivem Pop und grellen Inszenierungen ist die US-Rapperin Nicki Minaj zum Star geworden

Die knallbunte Porno-Barbie

Was für eine Sauerei: Die New Yorkerin Nicki Minaj (28) als bunt angemalte Kriegerin. So wie das Bild aussieht, so ungefähr klingt auch ihre wilde elektronische Musik. Foto: Williams / Universal / nh

Interviews mit Nicki Minaj, dem pinkfarbenen Stern des Barbie-Hop, haben eine ähnliche Aussagekraft wie Interviews mit Hollywood-Stars. Über die wirklich wichtigen Dinge - gescheiterte Beziehungen, Drogensüchte, sexuelle Orientierungen - darf man nicht reden, also redet man über beinahe gar nichts.

Bei der 29-jährigen, aus Trinidad stammenden und in New York aufgewachsenen Rapperin Minaj, deren zweites Album „Pink Friday: Roman Reloaded“ jüngst erschienen ist, weiß man hinterher zumindest, dass sie 5000 Perücken hat und Freunden gern schicke Autos schenkt.

Wie berühmt Minaj in den USA ist, kann man daran ersehen, dass sie im Februar an der Seite von M.I.A. in Madonnas Super-Bowl-Show ein laut quietschendes Rap-Bonbon mit Puscheln spielen durfte.

Minajs Karriere begann 2007, nachdem sie von Südstaaten-Rapper Lil Wayne entdeckt worden war. Zusammen nahm man ein paar Songs auf, Testballons in Form von Mixtapes folgten. Minaj sang mit Mariah Carey und Christina Aguilera; die erste eigene Single „Massive Attack“ erreichte im Frühjahr 2010 Platz 22 der Billboard-R&B-Charts. Im Winter desselben Jahres schoss Minajs Debütalbum auf Platz 2 der Billboard 200.

Jetzt also „Pink Friday - Roman Reloaded“, nicht nur dem Titel nach die Fortsetzung von „Pink Friday“. Obwohl insbesondere in der zweiten Hälfte der neuen Platte für Minajs Verhältnisse recht brave Disco-Pop-Stücke den Ton angeben, fiept und blubbert und dröhnt es doch auch wieder wie aus einer Rappelkiste, in der wilde elektronische Kerlchen mit seltsamen Beat-Maschinen wohnen.

„Hyperactive Pop“ kann man das nennen, inspiriert von scharfkantigem Underground-HipHop, aggressiven Peitschen-Ragga und hellgrellem Fanfaren-Step. Am Ende macht’s die musikalische Mischung aus Rohem und Gekochtem, aus wild und soft.

Eben dieses Mischungsverhältnis zeichnet auch Minajs Gesang aus. Sie kann also auch ruhiger, inniger, wärmer, muss nicht immer nur manisch kieksen, überdrehte Pirouetten mit ihrer Stimme drehen, auf und ab und auf.

Gleichwohl ist es vor allem das Künstliche, Übertriebene, das den besonderen Reiz des Gesamtkonzeptes Nicki Minaj ausmacht. Und es passt ja auch hervorragend zu ihren bildhaften Inszenierungen als Spielzeugballerina mit Bein hinterm Kopf, als halbnackte Porno-Barbie mit knallbunter ritueller Kriegsbemalung.

Minaj hat eine „böse Zwillingsschwester“, ein dämonenartiges Alter Ego namens „Roman Zolanski“. Wenn sie böse Sachen rappt, war es Roman. So hielt es einst auch Eminem mit „Slim Shady“. Minaj hat mit ihm zusammen das Stück „Roman’s Revenge“ eingesungen. Das passt.

Nicki Minaj: Pink Friday: Roman Reloaded (Universal). Wertung: !!!!:

Von Michael Saager

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