„Knapp überm Zeugwart“: Kabarettist Knust über seine Zeit als BVB-Stadionsprecher

Vellmar. Er war Puppenspieler, Stadionsprecher von Borussia Dortmund und Moderator von Fußball-Sendungen bei Sat.1 und Premiere: Nun ist Bruno Günna Knust vor allem Kabarettist.

Wir sprachen mit dem 61-Jährigen vor seinem Auftritt am Donnerstag im Vellmarer Piazza.

Würden Sie auch mit uns sprechen, wenn wir vom Stadionheft des Dortmunder Erzrivalen Schalke 04 wären? 

Bruno Günna Knust: Natürlich. Ich bin sogar häufiger Gast auf Schalke. Als Rudi Assauer noch Manager war, hat er mich mindestens einmal im Jahr engagiert. Das waren offizielle Schalke-Veranstaltungen - und ich bin nicht gesteinigt worden. Ich hab natürlich nicht gleich gegen Schalke geschossen, sondern das Feuer erst einmal woanders gelegt.

Angeblich soll Thomas Tuchel als Strafe nach der 1:5-Klatsche des BVB bei Bayern München seinen Spielern nur Wasser und Brot verordnet haben. Aber das geht ja nicht, weil Brot zu viele Kohlenhydrate hat, die bei der Diät des Trainers ohnehin gestrichen sind. 

Knust: Westfälisches Dinkelbrot könnten die Jungs essen. Wir sind noch nicht wieder die alten Borussen aus den Meisterjahren 2011 und 2012. Aber Tuchel ist ein guter Trainer und ganz anders, als ich erwartet hatte: Er ist charmant, kann aus der Hüfte antworten und macht Witze. Natürlich ist er nicht so ein Entertainer und Menschenfänger wie Jürgen Klopp, aber er hat einen Plan.

Sie waren von 1991 bis 1994 Stadionsprecher des BVB. Inwiefern haben Sie sich auch als Teil der Mannschaft gefühlt? 

Knust: Damals war man das noch mehr als heute. Wir hatten ja noch nicht so viele Weltstars in der Mannschaft. Beim Warmmachen spricht man mit dem ein oder anderen Spieler. Der Stadionsprecher ist knapp über dem Zeugwart angesiedelt. Als ich bei Sat.1 anfing, haben die mir nicht mehr erlaubt, jeden zweiten Samstag meinem Hobby nachzugehen. So wurde der Ex-Profi Norbert Dickel mein Nachfolger. Inzwischen ist er eine Einrichtung.

In Ihrem Programm „Gegen Lachen kannze nix machen” geht es aber nicht um den BVB. 

Knust: Nein, es ist ein Kabarettprogramm über Alltäglichkeiten. Ich erkläre den Leuten nicht, was in Berlin abläuft. Dafür fehlen in der deutschen Politik die Typen. Als Kabarettist muss man sich seine Themen auf der Straße suchen. Ich rede über alles - von der Bildung bis zur Mode.

Für ein kabarettistisches Hörbuch haben Sie 20 Grimm-Märchen eingespielt. Welches Märchen war besonders lustig? 

Knust: Die Bremer Stadtmusikanten wurden bei mir zu vier Senioren, bei denen ich die Wehwehchen aus meinem Umfeld verarbeitet habe: Der Erste ist leicht dement, der Zweite hat keine Zähne, der Dritte kann schlecht gucken und der Vierte schlecht laufen. Hans im Glück fand ich auch sehr schön, weil er trotz seiner miesen Geschäfte den Mut nie aufgegeben hat. Er muss Schalker gewesen sein: Er kam nach langer arbeitsreicher Zeit mit leeren Händen nach Hause, wo sie ihn gefeiert haben, als sei er Meister geworden.

Bruno Günna Knust: Donnerstag, 20 Uhr, Piazza, Brüder-Grimm-Straße, Vellmar. www.piazza.ddticket.de

Geboren: am 4. September 1954 in Dortmund Ausbildung: Sozialpädagogikstudium Karriere: Knust begann als Puppenspieler, war Stadionsprecher von Borussia Dortmund, textete die BVB-Hymne „Leuchte auf mein Stern“, arbeitete für die Fußballsendung „ran“ sowie Premiere und ist Kabarettist. Privates: Der dreifache Vater lebt mit seiner Familie in Dortmund, wo er das Theater Olpketal führt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.