Fotos und Texte von Lotte Reimann in der Warte für Kunst

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Selbstporträt mit Gewehr: „Me with Rifle“ von Lotte Reimann.

Kassel. Was ist ein „ganz normales Mädchen“? Eines, das Rosa und Lila liebt, und Puppen und Pferde? Und was wäre dann nicht „normal“ für ein Mädchen oder eine Frau? Kann auch die Faszination für Autos und Schusswaffen weiblich sein?

Solche Fragen sind vielleicht nicht neu, aber auch nach Jahrzehnten der Diskussion um Sex und Gender, um biologisches und soziales Geschlecht, immer noch zeitgemäß - jedenfalls dann, wenn sie mit so viel Witz und Lässigkeit formuliert werden wie in Lotte Reimanns Ausstellung „Colts and Fillies“ in der Warte für Kunst.

Die Installation ist aufgebaut wie ein Buch: Kurzgeschichten umfließen an die Wand tapezierte Fotografien. Den Ausstellungstitel könnte man mit „Hengst- und Stutfohlen“ übersetzen, allerdings klänge das nicht nur ziemlich sperrig, es ließe auch manche Assoziation unter den Tisch fallen. Ein Colt kann eben auch ein Revolver sein - oder schlicht: eine Knarre. Ein Gewehr inszeniert Reimann in ihrem Selbstporträt „Me with Rifle“ so deutlich als traditionelles Männlichkeitssymbol, dass man sich gar nicht entscheiden mag, ob man die Pose eher als ironisches Spiel mit Klischees oder selbstbewusste Aneignung lesen soll.

Die in Amsterdam und Bielefeld lebende Künstlerin arbeitet sowohl in ihren Fotos als auch in ihren Texten mit der eigenen Biografie: Selbstporträts und Familienbilder mischen sich mit Fundstücken aus dem Internet, eigene und fremde Erinnerungen werden literarisch weitergesponnen. Aber was tatsächlich biografisch und was fiktiv ist, bleibt ungewiss. So fragt die Ausstellung nicht nur nach Geschlechterrollen, sondern auch nach dem Verhältnis von Fotografie, Literatur und Realität.

Warte für Kunst, Frankfurter Str. 54, bis 25. Mai, Di/Do 16- 19 Uhr und n.V., Telefon 0163/739 8 775. Am Donnerstag, 24.5., 19 Uhr, findet eine Lesung von Lotte Reimann statt.

Von Fabian Fröhlich

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