Musical mit Titeln der Bee Gees in der Kasseler Stadthalle

Knicklichter für alle

Fast wie die Originale: Pasquale (von links), Walter und Davide Egiziano als Bee Gees in der Stadthalle Kassel. Foto: Schachtschneider

Kassel: Die Bee Gees seien „eine Band, von der niemand zugibt, dass er sie mag“, urteilte vor einigen Jahrzehnten der „London Evening Standard“.

Beim Bee-Gees-Musical „Massachusetts“ brauchte am Freitagabend in der gut gefüllten Kasseler Stadthalle niemand seine Liebe zu Barry, Maurice und Robin Gibb verbergen, die als eine der erfolgreichsten Pop-Bands Musikgeschichte schrieben. Ganz im Gegenteil: In den ersten Reihen trugen manche zünftiges Disco-Outfit, Glitzerhemdchen, blinkende Hüte und bizarre Perücken. Wobei man sich fragte, ob sie nicht dem Tour-Tross angehörten, verteilten sie doch nach der Pause Knicklichter an alle Besucher. Damit durften diese den drei Brüdern Walter, Davide und Pasquale Egiziano zuwedeln, die seit 15 Jahren „The Italian Bee Gees“ sind.

Mit dabei: Der Keyboarder Blue Weaver, der in den Siebzigern den Sound der Bee Gees entscheidend mitprägte und dem Nostalgietrip in der Stadthalle die authentische Note verlieh.

Die bis 2006 währende Erfolgsgeschichte der Bee Gees wird von Jesse Garon als BBC-Reporter Brian Goodwood recht kurzweilig erzählt, ergänzt von Fotos und Filmsequenzen.

Bisweilen wirkt das wie eine Verkaufsveranstaltung, beschwört er doch unermüdlich, wie „großartig“, „fantastisch“, „grandios“ und „wunderbar“ die Gibbs gewesen seien. Das wissen hier sicher alle, sonst wären sie nicht gekommen. Natürlich garnieren die Italiener den Vortrag mit den größten Hits: Von „You Should Be Dancing“ als Eröffnungsstück über „Massachusetts“ und „Jive Talking“ bis zu den Krachern „Night Fever“, „Juliet“ oder „Stayin’ Alive“ ist alles Wichtige dabei.

Ohne die aparten Tänzerinnen und Background-Sängerinnen wäre die Show zunächst farblos geblieben. Die drei Brüder wirkten etwas steif, wie auch Walter Egiziano im Gebaren eher einem abgespeckten Demis Roussos als seinem Vorbild Barry Gibb glich, der immerhin mal der „Sexiest Man Alive“ war. Aber vielleicht zeitigen mehr als 400 Auftritte Ermüdungserscheinungen.

Das zweite Set hatte jedenfalls deutlich mehr Drive, weil Konzertcharakter, es klappte auch mit dem charakteristischen Falsettgesang besser und das Publikum feierte seine Idole ausgelassen. Ob nun das englische Original oder das italienische Surrogat, war letztlich völlig egal.

Von Andreas Gebhardt

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