Rockhymnen mit Seemannsromantik: Unheilig in Kassel

Kassel. Ein Schiffbug, flankiert von Kerzenständern, Videoeinblendungen schäumender Wellen und aus den Lautsprechern dröhnende Nebelhörner: Unheilig schippern auf ihrer „Große Freiheit“-Tour durch dunkelromantische, von Sehnsuchtsmotiven erfüllte Welten.

Auf die musikalisch schwermütige, aber lebensbejahende Reise nahm die Band am Mittwochabend in der mit 3000 Zuschauern ausverkauften Kasseler Stadthalle ein begeistertes Publikum mit.

Unheilig lässt sich durchaus als Phänomen bezeichnen. Zehn Jahre lang nur Anhängern der Gothic-Szene ein Begriff, feierte die Band dieses Jahr ihren Durchbruch mit der Single „Geboren um zu leben“. Dann kam das Album: Bis heute 700 000-mal verkauft, 17 Wochen ununterbrochen an der Spitze der Hitliste und nun wieder auf Platz eins. So lange hielt sich dort kein anderer deutscher Künstler.

Das Erfolgrezept? Bernd Heinrich alias Der Graf, Kunstfigur, Sänger und Aushängeschild der Band, wandelt als knuddeliger Nosferatu im schwarzen Gehrock abseits des Mainstreams, bedient sich aber mittels einprägsamer Melodien und sinnbildlicher Texte der Zutaten der Erfolg versprechenden Popularmusik.

So strömten neben Schwarzgewandeten auch Familien mit Töchtern und Großeltern, Männer und Frauen aller Altersklassen zur unheiligen Zusammenkunft in die Kasseler Stadthalle. Der Graf, trotz Tour-Marathon kein bisschen müde, sprang und zappelte energiegeladen über die Bühne, begleitet von Gitarrist Christoph Termühlen und Henning Verlage an den Keyboards.

Brachial die Rockhymnen „Abseits“ und „Sage Ja (zu der Schattenwelt)“, die dank dröhnenden Basses die Wände wackeln ließen, dank klaren Klanges aber jederzeit überraschend gut verständlich blieben. Im gelungenen Kontrast dazu die balladesken „An deiner Seite“ und „Unter deiner Flagge“ – mit ordentlich Pathos angereichert, aber das störte kaum bei so viel Spielfreude.

Als Vorband hatten bereits die Gothic-Rocker von Mono Inc. eingeheizt, während Apoptygma Berzerk als uninspirierter Placebo-Klon mit Elektroeinschlag völlig absoff. Ein Glück, dass Unheilig sein Publikum durch sichere Rockgefilde schipperte. Eine gute Reise.

Von Stefan Morisse

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