Pluspunkte für den Song "Kölsche Jung"

Der Kölner "Tatort": Eine Leiche zu viel

Dietmar Bär (links im Bild) als Kommissar Freddy Schenk und Klaus J. Behrendt als Kommissar Max Ballauf vor der Kölner Südbrücke.

Eine verpasste Gelegenheit, Mut zu beweisen und eindimensionale Darsteller: Maik Dessauer über den Kölner "Tatort: Tanzmariechen":

Pluspunkte bekam der Kölner „Tatort: Tanzmariechen“ für den Song „Kölsche Jung“ von der Band Brings – das einzig coole Karnevalslied – und für die großartige Milena Dreißig als emotional einstürzende Mutter Martina Pösel. Ansonsten war der Krimi nur „Tatort“-Mittelmaß. Die Stilisierung des Karnevals als Haifischbecken wirkte überzogen, die Charaktere erschienen teils plump (Tristan Seith als pöbelnder Papa Pösel) und die Kommissare waren nur Stichwortgeber für die Handlung.

Und letztlich waren zwei Leichen eine zu viel für den Film. Nach dem Suizid der 16-jährigen Tänzerin Evelyn Pösel (Stella Holzapfel) legten die Macher noch die ermordete Tanztrainerin (Katja Heinrich) drauf. Die war aber ein so kühles Miststück, dass dem Zuschauer im Prinzip egal war, wer sie umgebracht hat. Auch Regisseur Thomas Jauch schien kein echtes Interesse an ihr zu haben. Die Hälfte des Films widmete er der Geschichte um Cybermobbing-Opfer Evelyn. Und die sozialen Netzwerke entpuppten sich als der weitaus spannendere Tatort mit einer viel komplexeren Schuldfrage. Schade, dass der Film anschließend auf Nummer sicher ging und eine zwar tragische, aber eindeutig schuldige Täterin präsentierte. Dadurch verschenkte er das Potenzial zu einem aktuellen Charakterdrama. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.