Mit Fettes Brot machte König Boris HipHop populär, nun tritt er uns in den Hintern

Der König bittet zum Tanz

Voll die fette Verkleidung: Boris Lauterbach (37) war König Boris und ist jetzt „Der König tanzt“. Fotos:  Jens Herrndorff / nh

Boris Lauterbach war selbst verwundert, dass man mit ein bisschen Verkleidung heutzutage noch schocken kann. Für sein Solo-Debüt hat sich der Hamburger Musiker, der als König Boris Teil des Erfolgstrios Fettes Brot ist, die Kunstfigur „Der König tanzt“ ausgedacht. Als tanzender König hat er sich schwarze Zacken ins Gesicht gemalt, trägt eine Melone mit Federn sowie einen alten Parka mit Sicherheitsnadeln und vielen Buttons.

Einige finden das nicht schön und pöbelten König Boris mit Fragen an wie: „Bist du schwul, Alter?“ Mit dem Fetten Brot und dem Song „Schwule Mädchen“ hatte Lauterbach schon einmal die Homophobie im HipHop angeprangert. Die Reaktionen auf sein neues Alter Ego hat der 37-Jährige nicht einkalkuliert, aber ganz traurig dürfte er darüber auch nicht sein.

Denn der deutschsprachige Pop ist ihm zu kuschelig. Überall singen junge Männer wie Tim Bendzko und Philipp Poisel über persönliche Befindlichkeiten und ihren mehr oder weniger langweiligen Alltag. Der König dagegen macht richtig Alarm.

Die Plattenfirma nennt seinen „Bad Dream Pop“ die „Protestmusik zur Zeit“. Es geht um den digitalen Infowahn (wie in der Single „Alles dreht sich“), um eine geizgeile Gesellschaft, die alles umsonst will („Wunderbare Zeiten“), sowie spießige Wutbürger, die nur auf die Straße gehen, wenn es um eigene Interessen geht („Schwanenteich“).

Für Lauterbach ist sein Projekt ein „Tanz auf dem Vulkan des Wahnsinns“, und Spaß macht seine wütende Kritik auch noch. Fettes Brot, die sich eine kreative Pause genommen haben, waren ja schon lange mehr Pop als HipHop. Die zwölf Solo-Songs sind eine konsequente Weiterentwicklung und klingen nach Disco, Electro sowie Wave. Immer wieder hört man Lauterbachs Vorbilder wie The Cure und Joy Division heraus.

Manche meinen, „Der König tanzt“ könnte eine Karriere hinlegen wie Seeed-Sänger Peter Fox, der solo erfolgreicher war als seine Band. Dafür ist das Album wahrscheinlich zu laut und bisweilen auch schrill. Aber es ist schön, dass uns endlich wieder jemand in den Hintern tritt.

Der König tanzt: Der König tanzt (Fettes Brot Schallplatten). Wertung: !!!!:

Von Matthias Lohr

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