„König Drosselbart“ begeistert Zuschauer beim Brüder-Grimm-Festival

Brüder-Grimm-Festival: „König Drosselbart“ begeistert Zuschauer

Kassel. Als die renitente Prinzessin eine Ziege melken soll, ist es so weit: Das Publikum lacht schon, bevor der Gag überhaupt vollzogen ist. Spätestens mit dieser Lachsalve ist klar: Das Musicalensemble von „König Drosselbart“ beim Brüder-Grimm-Festival hat sein Publikum voll gepackt.

Die Ziege, das ist Inga Jamry, die dann mit gespielter Todesverachtung ein Tuch am Bauch umkrempelt, auf dem ein rosa Gummispülhandschuh die Zitzen darstellt.

Mit Jubel, Füßetrampeln und zwei Zugaben ist am Donnerstag das Stück, geschrieben von den beiden Kasselern Michael Fajgel (Text und Regie) und Roland Oumard (Musik), über die schwimmende Bühne vor der Insel Siebenbergen gegangen.

Zu Beginn des Märchens von der hochmütigen Prinzessin, die beim als Bettler verkleideten König das Leben und die Liebe lernt, rattert eine Schauspielergruppe mit dem Planwagen in Richtung Publikum. Fahnen flattern, einer stakst auf Stelzen. Fröhlich erobert die fahrende Truppe die Bühne und singt zur Musik vom Band von der weiten Welt, die sie erobern will.

Dass die Musicaltruppe ihrerseits eine Schauspieltruppe spielt, die dann das Märchen vom König Drosselbart aufführt, wird allerdings anfangs nicht ganz deutlich. Erst als die Darsteller-Darsteller später aus ihren Rollen aussteigen und ihren Direktor (Daniele Nonnis mit köstlich-zwielichtigem Charme) fragen, wann er denn die Löhne bezahlt, und wie sie ein Pferd darstellen sollen, wenn sie doch gar kein Pferd haben, ordnet sich diese Konstruktion klarer ein. Michael Fajgel gibt diese geniale Idee allerdings alle Freiheiten, mit Theatermitteln zu agieren.

Und daraus speisen sich eine Reihe wunderbarer Regie-Gags, die mit dem Illusionenmachen spielen, besonders im ersten Teil. Beim langen Weg durch finsteren Tann werden die immergleichen drei Topfbäume im fliegenden Wechsel aneinandergereiht, und der Fährmann im Ölzeug hat sich sein Gummiboot über die Schultern gehängt. Der zweite Teil, wo sich Konflikte lösen, hat demgegenüber manche Längen.

Viele Tanzszenen mit den abwechslungsreichen Choreografien von Loreen Fajgel setzen das achtköpfige Ensemble mit der süßen Castinggewinnerin Ulrike Wiegel (12) hübsch in Szene, etwa beim peppigen Titel „Machen wir uns nichts vor: Es ist, wie’s ist“, einer Hommage an Monty Pythons „Bright Side of Life“.

Martin Rüegg, Inga Jamry, Eva Balkenhol, Ludger Holmann und Nina Schulz beweisen komisches Talent. Mal sind sie Hofschranzen (verzichtbar: Einer leidet an Darmwinden), Räuber, Wirtshauszecher, Marktweiber oder Steuereintreiber mit Aufklebnasen. Oliver Parchment erspielt sich als König im Flatterhemd den Status eines Orlando Bloom der Karlsaue, und Denise Vilöhr ist eine mädchenhaft-ausdrucksvolle Prinzessin. Die beiden glänzen beim emotionalen Liebesduett „Du träumst von deinem Held“.

Oumards Musikvielfalt reicht von höfischer Festlichkeit bis zum Rap, der die Mucken pubertierender Mädchen beschwört. Jeder Song erntet Szenenapplaus, und manche ungünstige Tonaussteuerung kann sicher noch feinjustiert werden.

Schließlich bleibt die gesungene Weisheit des fahrenden Volks: „Das Theater ist nur Spiegel von all den Geschichten, die die Menschen und das Leben täglich neu errichten.“

Von Bettina Fraschke

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