Der König der Tenöre: Plácido Domingo wird 70 Jahre alt

Viele Sänger schmücken sich mit den Namen der großen Opernhäuser, an denen sie aufgetreten sind. Bei Plácido Domingo ist es umgekehrt. Man ist stolz, zu den Bühnen zu gehören, die der Startenor mit seinen Auftritten beehrt.

In Deutschland sind das die beiden großen Berliner Opernhäuser, die Bayerische Staatsoper und die Bayreuther Festspiele. Heute wird der ungekrönte König der Tenöre, der am 21. Januar 1941 in Madrid geboren wurde und in Mexiko aufwuchs, 70 Jahre alt.

Seine Laufbahn ist mit keiner anderen vergleichbar. Nicht nur, dass er auch mit 70 und nach überstandener Krebserkrankung immer noch ein Klasse-Tenor ist. Auch als Bariton ist er seit vier Jahren erfolgreich unterwegs, zuletzt in einer großen Fernsehproduktion als Rigoletto.

Daneben ist Domingo als Dirigent erfolgreich, und als Direktor der Opernhäuser in Washington und Los Angeles zudem noch ein erfolgreicher Theatermanager. Mehr als 100 Operngesamtaufnahmen hat er eingesungen, und einige weitere Zahlen (Artikel rechts) untermauern die Einzigartigkeit dieser Künstlerexistenz.

Zahlen geben allerdings nicht wieder, was der als Sohn von Zarzuela-Sängern geborene Domingo einem nach Millionen zählenden Publikum an grandiosen musikalischen Erlebnissen gegeben hat. Wohl kaum einer hat Verdis Otello sängerisch so idealtypisch verkörpert wie Domingo. Doch Plácido Domingo ist, anders als sein italienischer Kollege Luciano Pavarotti es war, nicht aufs italienisch-französische Fach beschränkt. Zwar sind seine Hausheiligen Verdi, Puccini, Massenet und Bizet. Aber auch als Mozartsänger, etwa als Turandot, als Wagner-Tenor (Lohengrin, Tannhäuser, Parsifal) und nicht zuletzt in Operette und Musical stellte er sein universelles Künstlertum unter Beweis.

Selbst Ausflüge ins Kitschige scheute Domingo nicht: Unter dem Titel „Amore infinito“ brachte er 2008 ein Album mit süßlich-bombastischen Vertonungen seines Sohnes Plácido jr. von Texten Papst Johannes Pauls II. heraus. In solchen Fällen beweist Domingo, dessen Karriere ohne eine robuste Gesundheit nie möglich gewesen wäre, auch einen robusten Geschmack.

Geburtstags-Album

Zum 70. Geburtstag hat die Deutsche Grammophon die „Plácido Domingo Story“ mit Texten, Bildern und drei CDs herausgebracht. Die ersten beiden bringen Domingos schönste Opernpartien in chronologischer Reihenfolge der Aufnahmen. Die erste, „Amor ti viete“ aus Giordanos „Fedora“, stammt von 1968, die letzte, „No, de l’antica Grecia“ aus Leoncavallos „Medici“ von 2010. Faszinierend zu sehen, wie diese Stimme sich von schlanker und brillanter Jugendlichkeit zu fülliger Ausdrucksstärke entwickelt und dabei ihr charakteristisches Timbre bewahrt hat. Zusammen mit der dritten CD, die einzelnen Liedern und der leichteren Muse gewidmet ist, ein tolles klingendes Porträt dieses einzigartigen Sängers. The Plácido Domingo Story, 3 CDs mit ausführlichem Begleitbuch, Deutsche Grammophon, Wertung: fünf von fünf Sternen

Plácido Domingo in Zahlen:

1Jahr lang hat Domingo 1985 nach dem großen Erdbeben in Mexiko-Stadt nur Benefizkonzerte für die Opfer gegeben, zu denen auch Mitglieder seiner Familie zählten.

2Mal hat Domingo geheiratet. Mit seiner ersten Frau hat er einen Sohn. Mit seiner zweiten Frau, Marta Ornelas, erlebte er 1962 bis 1965 seinen Karrierestart in Israel. Mit ihr hat er zwei Söhne.

3Tenöre waren es, die anlässlich der Fußball-WM 1990 in Italien die Stadien mit Operngesang füllten. Zusammen mit José Carreras und Luciano Pavarotti erzeugte Plácido Domingo den größten Hype der Klassik-Geschichte.

134vollständige Opernpartien hat Plácido Domingo im Repertoire.

3500 Opernaufführungen hat Domingo singend absolviert. Dazu kommen seine Auftritte als Dirigent.

100 000 Euro pro Konzert verdiente Domingo in den 90er-Jahren. Für einen Abend an der New Yorker Met gab’s nur 10 000 Dollar. Als Mitglied der drei Tenöre verdiente Domingo Millionen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.