Mumford and Sons beweisen, dass man auch mit dem Banjo die Charts stürmen kann

Die Könige des Folk-Pop

Lieben eingängige Melodien: Marcus Mumford (von links), Ted Dwane, Winston Marshall und Ben Lovett. Foto: Cooperative

Klar, man kann das als Kritiker so machen: Das erste Album hochjubeln, weil da etwas Ungewöhnliches am Horizont auftaucht und sich dann ärgern, dass andere das genau so sehen, sehr viele andere sogar. Wenn dann Album Nummer zwei auf dem Markt ist, beschwert man sich, dass es keine Weiterentwicklung gäbe und wirft der Band den Erfolg vor. Bei Mumford and Sons besteht diese Gefahr jetzt.

Das Quartett rund um Marcus Mumford hatte sich 2007 zusammengefunden und sich von Beginn an elektronischem Schnickschnack verweigert. Von einer West-Londoner Folkszene war die Rede, weil damals auch andere Musiker ähnliche Wege gingen. Ganz an die Spitze haben es aber nur die Mumfords geschafft.

2009 war ihr Album „Sigh No More“ mit der Hit-Single „Little Lion Man“ eine kleine Sensation im großen Pop-Einerlei. Harmoniegesänge, Mandoline, Klavier und vor allem das charakteristische Banjo sorgten für Aufsehen.

Acht Millionen verkaufte Alben und viele Konzerte später, darunter mit den Größen Bob Dylan, Ray Davies und Bruce Springsteen, ist nun „Babel“ auf dem Markt. Das Strickmuster ist dasselbe geblieben: Die Mumfords weben Melodieteppiche für die literarisch-trübsinnigen Texte mit ihrem Gesang, der manchmal fast weinerlichen Stimme von Frontmann Marcus Mumford, und den Klängen von Banjo, Gitarre und Klavier.

Das Banjo, eines der unterschätzten Instrumente in der Popmusik, ist in der Musik des Quartetts immer präsent. Mit ihm gibt Winston Marshall das Tempo vor, wenn die Songs nach langsamerem Start Fahrt aufnehmen.

Ja, Mumford and Sons sind im Mainstream angekommen und mit „Babel“ machen sie deutlich, dass sie dort auch bleiben wollen. Sie haben sich nicht neu erfunden, sondern machen einfach mit dem weiter, was sie am besten können: eingängige Melodien – teilweise in Ohrwurmqualität – handwerklich solide und schön einzuspielen.

Dabei klingen die Engländer manchmal sogar fast ein wenig wütend, „Babel“ ist ein gutes Stück druckvoller geworden als der Vorgänger. Für stillere Momente sorgen Balladen wie das zurückgenommene „Reminder“ und „Not With Haste“ (zu deutsch in etwa „Nur nicht überstürzen“), das man als programmatische Ansage verstehen kann.

Im neuen Lied „Broken Crown“ besingt die Band eine zerbrochene Krone. Die Krone des Folk-Pop ist dagegen unversehrt, und Mumford and Sons tragen sie zurecht.

Mumford and Sons: Babel (Cooperative Music/Universal). Wertung: !!!!:

Von Olaf Dellit

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