Interview: Die Sopranistin Kelly Cae Hogan über ihre Rolle der Katerina in Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“

„Können Sie das noch schrecklicher singen?“

Kelly Cae Hogan Foto: Fritsch

Kassel. Die Figur der Katerina Ismailova in Dmitri Schostakowitschs „Lady Macbeth von Mzensk“ gehört zu den extremsten Frauenfiguren der Operngeschichte. Bei der Kasseler Neu-Inszenierung, die am Samstag Premiere hat, übernimmt als Gast die amerikanische Sopranistin Kelly Cae Hogan diese Partie. Wir sprachen mit der Wahl-New-Yorkerin.

Frau Hogan, was für eine Frau ist Katerina Ismailova?

Kelly Cae Hogan: Ich habe schon oft sehr komplizierte Frauenfiguren verkörpert wie Salome, Norma oder auch Tosca. Manchmal sind die richtig verrückt, aber das ist immer durch etwas motiviert. Katerina hat einen Ehemann, der sie lieben will, aber nicht kann. Und einen Schwiegervater, der böse ist und auch ein Auge auf sie hat. Das ist eine sehr schwierige Konstellation, in der Figuren Dinge tun, die sie normalerweise nicht tun würden.

Immerhin begeht sie drei Morde, ehe sie sich selbst umbringt.

Hogan: Bei uns wird es keinen Selbstmord geben.

Dann gibt es auch keinen reißenden Fluss?

Hogan: Den gibt es - aber man muss ihn erfühlen. Katerina ertrinkt in ihren Gefühlen. Eigentlich ist sie eine schwache Person, die deshalb brutal wird, weil sie sich gegen das auflehnt, was man ihr angetan hat.

Wie gehen Sie mit dieser Rolle um?

Hogan: Es ist wichtig, mit den Figuren mitzufühlen. Außerdem hat mir unser Regisseur Michael Schulz sehr geholfen, die Verwicklungen rund um die Figur der Katerina aufzulösen. Vieles ist sehr dramatisch, anderes grotesk übersteigert. Man muss auseinanderhalten: Was ist hier real, was ist ironisch gemeint?

Wie fühlen Sie sich als Sängerin mit dieser Rolle? Sie müssen ja nicht nur singen, sondern auch flüstern, schreien und anderes mehr.

Hogan: Als Sängerin frage ich: Passt das zu meinem „Instrument“? Ich habe im Frühjahr meine erste Walküren-Brünnhilde gesungen - schwierig zu singen, aber ein klarer Charakter. Katerina ist eine viel komplexere Figur, eine Partie, die in extreme Lagen geht, in denen man die Worte nicht versteht, wo man durch Ausdruck zeigen muss, worum es geht. Diese Partie ist schwer zu lernen, man muss sie lange mit sich herumtragen - ich singe sie hier zum ersten Mal -, aber wenn man sie verinnerlicht hat, setzt sie sich richtig fest.

Haben die Proben Spaß gemacht?

Hogan: Oh ja. Besonders wenn man gesagt bekommt: Können Sie das noch schrecklicher singen? - Danke, Maestro!

Premiere: Samstag, 19.30 Uhr, Opernhaus. Karten: Tel. 0561/1094-222.

Von Werner Fritsch

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