Die Tanzshow Shadowland des Pilobolus-Ensembles gastierte in der Stadthalle

Körper formen eine Welt

Schatten erzählen eine Geschichte: Die Tänzer arbeiten mit Licht- und Schatteneffekten. Fotos: Malmus

Kassel. Hinter der weißen Leinwand wuchern Schattenbilder von Pflanzen. Aus Menschenleibern geformt reckt sich hier ein Stängel, springt dort eine Blüte auf. Die Tänzer des US-amerikanischen Pilobolus-Ensembles verstehen es, mit kleinsten Handbewegungen und geschmeidigem Hüftschwingen selbst diesem botanischen Geschehen in den harten Schwarz-Weiß-Konstrasten eine erotische Note mitzugeben.

Am Dienstagabend riss ihre Show „Shadowland“ in der fast ausverkauften Kasseler Stadthalle die Besucher zu ausgiebigem Applaus hin. Nachdem es beim letzten Auftritt Unmut über schlechte Sichtverhältnisse gegeben hatte, war der Saal nun aufsteigend bestuhlt. Genau hinzusehen lohnte sich. Die neun Tänzer arbeiteten sich mit artistischer Körperbeherrschung durch die 80-minütige Show.

Sie packen ihre Darbietungen in eine Fantasy-Geschichte um ein Mädchen, das in einer Traumwelt in eine Hundedame verwandelt wird und dort vielfältigen Bedrohungen ausgesetzt ist. Köche mit hoch gerecktem Hackebeil wollen sie als Eintopfzutat verwursten, sie muss bei einer Art SM-Erotikshow unter Peitschenhieben auftreten, reist mit einem Cabriofahrer, dem sie bald lästig fällt, sinkt auf den Meeresgrund und landet in einer Burg, auf der Zauberkräfte walten. Die Spieluhrmusik des Anfangs weicht dann bedrohlichen Beats.

Das Überzeugendste an diesem poetischen und toll getanzten Abend ist diese etwas bemühte Geschichte nicht. Im Grunde würde es reichen, die vielfältigen und überraschenden Bildideen ganz pur zu erleben, wie in der Zugabe. Es macht Freude zu enträtseln, wie die Körper hinter der Leinwand sich jetzt gerade wieder zum Elefanten, zu Meeresklippen, Bistrotisch oder Hochhaussilhouette ballen.

Geschickt kombinieren die Tänzer dazu Sequenzen ohne Schattenbilder und zeigen ihre muskulär perfekt ausgeformten Körper. So gehörte ein abstrahierter Liebesakt mit einer Frau und zwei Männern, ganz unanzüglich und sehr sinnlich getanzt, zu den Höhepunkten.

Von Bettina Fraschke

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