Komiker Bully Herbig über seine Nazi-Farce „Hotel Lux“

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Der neue Bully: In „Hotel Lux“ glänzt der Komiker Michael Herbig als Hans Zeisig zum ersten Mal als ernsthafter Schauspieler, wie es so schön heißt.

Seine Fans können die Sätze aus dem „Schuh des Manitu“ nachsprechen. Mit zwölf Millionen verkauften Tickets gilt die Parodie auf die „Winnetou“-Filme von Michael Herbig, den alle nur Bully nennen, als der erfolgreichste deutsche Nachkriegsfilm.

Auch „(T)Raumschiff Surprise“ und die Sissi-Hommage lockten Millionen ins Kino. In Leander Haußmanns „Hotel Lux“ spielt der Entertainer nun einen politischen Kabarettisten aus dem Berlin der 30er-Jahre, der vor den Nazis in das Moskauer Hotel flieht, in das Stalin die kommunistische Nomenklatura eingesperrt hat und in dem täglich Menschen denunziert werden und verschwinden. Wir sprachen mit Herbig (43) vor dem Kinostart am Donnerstag.

Ist dies Ihr erster Schritt auf dem Weg vom harmlosen Clown zum seriösen Unterhalter?

Michael Bully Herbig: Das würde ja bedeuten, dass ich vorher unseriös war. Ich mag diesen Satz im Film, dass „harmloser Clown“ ein Kompliment sei. Ich habe aber nicht nach diesem Film geschrien. Insofern sind keine Ambitionen zu befürchten.

Warum so abwartend? Der Film ist gut und holt Sie in Ihrer bisherigen Karriere ab.

Herbig: Das ist natürlich ein Glücksfall, dass einem Komiker die Rolle eines Humoristen angeboten wird, der so durch das Leben tingelt. Plötzlich muss er sein Talent nutzen, um die eigene Haut zu retten. Das kann ich nachvollziehen und hat die Sache etwas erleichtert.

Haben Sie sich nicht auch gefragt, wie Sie reagiert hätten?

Herbig: Ich fürchte, dass mir irgendwann etwas rausgerutscht wäre. Wenn man im weitesten Sinne Unterhalter ist, kann man einen guten Gag schlecht für sich behalten.

War es dann der richtige Stoff zur richtigen Zeit?

Herbig: Dieser Stoff geisterte die letzten zehn Jahre durch die Branche. Wolfgang Petersen wollte angeblich eine Serie daraus machen, von Helmut Dietl stammt die Grundidee, dass ein deutscher Komiker im Hotel Lux landet. Vor zehn Jahren hätte ich das noch nicht gemacht, und wahrscheinlich hätte man es mir auch nicht angeboten. Produzent Günther Rohrbach hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte mitzuspielen. Ich habe später noch mal probiert abzusagen, das hat er nicht zugelassen.

Was hat Sie dann doch überzeugt?

Herbig: Leander Haußmann machte aus der Grundidee eine Abenteuergeschichte und Verwechslungskomödie, die mir gefiel. Ich wurde mit Informationsmaterial versorgt, habe dann aber schnell gemerkt, dass ich über das Grauen in diesem Hotel gar nicht so viel wissen muss, denn Hans Zeisig weiß es ja auch nicht.

Wie oft zweifelten Sie am Set, dass die Zusage für den Part doch nicht richtig war?

Herbig: Die Entscheidung habe ich nie infrage gestellt. Das Praktische ist ja auch, dass ich „nur“ gespielt habe, inszeniert hat den Film Leander Haußmann. Alle politischen Fragen werden von mir direkt an ihn und Herrn Rohrbach weitergeleitet. Allein die inhaltlichen Diskussionen der beiden waren für mich ein Genuss, bei dem ich oft die Spaßbremse war. Ich konnte mit Namen wie Ulbricht, Pieck und Wehner noch etwas anfangen, aber bei Jeschoff und Dimitroff wird es für mich und ein breites Publikum schwierig. Es bringt aber niemandem etwas, wenn eine Figur nicht verstanden und der Film zu kompliziert wird.

Also doch der erste Schritt vom Comedian zum Schauspieler?

Herbig: Ich habe nie behauptet, dass ich Schauspieler wäre. Ich habe großen Respekt vor diesem Beruf. Ein Schauspieler muss alles bedienen können. Das würde ich von mir per se nicht behaupten. Ich habe mich bisher auf mein Bauchgefühl verlassen und bin jetzt nicht ins kalte Wasser gesprungen. Ich habe mal die Zehen reingesteckt.

Wird es trotzdem ein Zurück zu den erfolgreichen Parodien und der „bullyparade“ geben?

Herbig: Vor zwei, drei Jahren ist mir eine Idee zur Fortsetzung vom „Schuh des Manitu“ durch den Kopf geschossen. Aber im Moment bin ich etwas parodiemüde. Wenn man es nur noch macht, um Erwartungen zu bedienen, fehlt die Überzeugung. Was nicht heißt, dass ich in 10 oder 15 Jahren wieder Lust darauf haben könnte. (Ricore).

Von Katharina Dockhorn

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