Komiker Dave Davis: "Ich habe kein Problem mit dem Begriff Neger"

Dave Davis

Als Klomann Motombo Umbokko entlarvt der Komiker Dave Davis rassistische Vorurteile. Nun gastiert der Bonner in Baunatal und sagt, was er von zu viel politischer Korrektheit hält.

So richtig begann die Karriere des Komikers Dave Davis im Dezember 2009 auf dem Kasseler Friedrichsplatz. Der Bonner mit ugandischen Wurzeln hatte gerade sein erstes Soloprogramm fertig und moderierte einen Monat lang den Zirkus Flic Flac. „Das hat Spaß gemacht“, sagt der 42-Jährige, der mit seinem Programm „Afrodisiaka“ in die Region zurückkehrt: Am 1. Oktober gastiert Davis beim Baunataler Herbstpalast, wo er unter anderem als Klomann Motombo Umbokko rassistische Vorurteile entlarvt.

Wie hätten Sie reagiert, wenn Bayerns CSU-Innenminister Joachim Herrmann Sie wie Roberto Blanco im ARD-Talk „hart aber fair“ einen „wunderbaren Neger“ genannt hätte? 

Dave Davis: Ich habe mit dem Begriff kein Problem, aber sein Auftritt war trotzdem befremdlich und hinterwäldlerisch. Es ist so, als würde er zu einer Frau „Weib“ sagen.

Zu Ihnen könnte man aber Neger sagen? 

Davis: Wenn es nach mir ginge und ich allein auf der Welt wäre, könnte man das ruhig sagen. Nur weil der Begriff von Menschen benutzt wird, die meinen, anderen Rassen überlegen zu sein, heißt das nicht, dass ich ihn nicht verwenden darf. Ich will jetzt aber niemanden dazu ermutigen, jeden Schwarzen einen Neger zu nennen. Der Begriff ist nun mal aus einer anderen Zeit.

Er ist eng verbunden mit Sklaverei und Rassentrennung. 

Davis: Wenn jemand nicht so genannt werden möchte, sollte man das respektieren. Besonders als Amtsträger. Ich nenne einen Deutschen auch nicht Nazi. Taucht der Begriff „Neger“ in einem Witz auf, kommt es darauf an, wer ihn erzählt. Die besten Türkenwitze höre ich von Türken. Und Behinderte kennen die besten Behindertenwitze.

Was ist Ihr Lieblingswitz über Schwarze? 

Davis: Es ist kein richtiger Witz, sondern mir wirklich passiert. Als ich mit 18 den deutschen Pass bekam, musste ich ihn kopieren. Das Passfoto sah aus wie ein Ultraschallbild. Man konnte gerade noch erkennen, dass es ein Junge ist. Das kann passieren bei Bürgern mit Melaninüberschuss. Die Geschichte erzähle ich auch auf der Bühne. Warum sollte man als politisch korrekter Mensch nicht darüber lachen? Das wirkt entwaffnend gegenüber Vorurteilen.

Wie oft begegnen Sie im Alltag Rassismus? 

Davis: Das ist mir noch nie passiert.

Das glaube ich nicht. 

Davis: Aber es ist wirklich so. Ich kann mit keiner bewussten Diskriminierungsgeschichte aufwarten. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein selbstbewusster Mensch bin. Der wäre ich auch, wenn ich gelb, weiß oder grün wäre. Ich kann die Sprache besser als manch Eingeborener. Und es ist mir auch egal, warum mir jemand keine Wohnung vermietet. Als mein Bruder allerdings eine weiße Freundin hatte, wurde er von Skinheads angemacht. Mein Bruder ist entsprechend gebaut und hat die Nazis in die Flucht geschlagen.

Inwiefern kann man mit Humor Vorurteile abbauen? 

Davis: Wenn man lacht, öffnet sich das Herz. Mit Humor kann man eine Saat säen. In meinem Programm sage ich zum Beispiel ein paar harte Sachen über Moslems und frage, ob die wirklich so gefährlich sind, wie manche behaupten. Einige Menschen haben mir hinterher erzählt, dass sie ihre Meinung überdenken wollen. Da merke ich, dass Humor eine starke Kraft hat.

Ihr Programm heißt „Afrodisiaka“. Klingt ein bisschen nach arm, aber sexy. 

Davis: Meine Ausgangsidee war, dass Politik wieder sexy werden muss, sonst bekommen die Wähler Elektionsprobleme. In dem Programm geht es aber auch darum, dass das Leben nicht nur von Geld abhängt. Was nützt mir die Rolex, die 300 Meter wasserdicht ist, wenn ich kein Seepferdchen habe. Man sollte auch die Flüchtlinge nicht als Feind sehen. Es ist ein Geschenk, dass nun so viele Menschen kommen - auch Wirtschaftsflüchtlinge. Wenn nur Verfolgte kämen, hätten wir ein Problem.

Zur Person

Geboren: am 30. Januar 1973 in Köln als Sohn ugandischer Eltern, die vor dem Diktator Idi Amin geflüchtet waren.

Ausbildung: zum Versicherungskaufmann („Ich war jung und brauchte das Geld“), Bachelor-Studium Recording Arts (Musikproduktion). Davis arbeitete unter anderem als Komponist für Klingeltöne und schrieb Songs für Enie van de Meiklokjes.

Karriere: Erstes Soloprogramm als Komiker 2009. Davis sagt: „Ich habe alles auf eine Karte gesetzt und ins Schwarze getroffen.“ Seither zahlreiche TV-Auftritte - etwa als Motombo Umbokko aus dem fiktiven Land Nfuddu und als CSU-Kassenwart Gustl Weißmüller.

Privates: Lebt in Bonn.

Hobbies: Gitarre und Klavier spielen.

Alle Termine des Baunataler Herbstpalast

25. September: Gayle Tufts (Entertainment)

26. September: Markus Maria Profitlich (Comedy)

27. September (16 Uhr): Käpt’n Blaubär (Kindermusical)

28. September: Baunataler Sterne (Nicole Jukic, Romana Reiff, Michael Holderbusch, die Sportakrobaten des KSV Baunatal und das Ensemble der Ballettschule Rudolph)

29. September: Henni Nachtsheim & Rick Kavanian (Kabarettlesung)

30. September: Basta (A-cappella-Band)

1. Oktober: Dave Davis (Comedy)

2. Oktober: Django Asül (Kabarett)

13. Oktober: Chor Mehrklang (Mozart trifft den Grafen)

4. Oktober: Anderthalb Stunden zu spät (Komödie mit Herbert Herrmann).

Beginn (wenn nicht anders angegeben): 19.30 Uhr, Baunataler Stadthalle. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

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