Komiker Johann König im Interview

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Johann König gilt als Poet unter den Komikern. Mit seiner leiernden Stimme und seiner langsamen Sprechart bleibt er im Gedächtnis. Doch: Mit seinem neuen Bühnenprogramm will König diesen Eindruck von sich ändern. Wir sprachen mit dem Komiker über sein Temperament und das des nordhessischen Publikums.

Am Donnerstag, 13. März, gastiert König in Baunatal.

Herr König, Ihr neues Programm hat den Titel „Feuer im Haus ist teuer, geh raus“: Würden Sie sich selbst als feurigen Typen bezeichnen? 

Johann König: Natürlich. Schon allein, weil ich gar nicht als so ein Typ gelte.

Bekannt sind Sie eher für Ihre Langsamkeit und Ihre brüchige Stimme. 

König: Ich finde, dass ich mittlerweile überhaupt nicht mehr so rede. Früher war ich bei Auftritten einfach aufgeregter. Das überträgt sich bei mir auf die Stimme. Deshalb habe ich stimmbruchartig gesprochen. Jetzt fühle ich mich auf der Bühne frei.

Das heißt, die Zuschauer erwartet eine neue Seite von Johann König? 

König: Ja, vor allem mit meinem neuen Programm versuche ich, aus der Schublade des schüchternen Poeten rauszukommen. Der war ich mal, aber jetzt bin ich doch spritziger unterwegs. Ich singe mehr und tanze sogar. Mein Programm ist körperlicher geworden. Es gibt mehr zu gucken.

Sind die Gedichte komplett gestrichen? 

Zur Person

Johann König (41) ist Komiker. Der ausgebildete Krankenpfleger und Sportlehrer sieht sich als poetischen Pyromanen. Seinen ersten Auftritt hatte er 1997 auf einer offenen Bühne in Köln. Mittlerweile ist er mit seinem fünften Programm auf Tour. Mit seiner Familie lebt er in Köln. König hat eine Tochter und einen Sohn.

König: Es gibt natürlich noch Gedichte. Sie sind der rote Faden. Die Büchlein, aus denen ich vorlese, brauche ich in jedem Programm. Schon allein, um mich an ihnen festzuhalten.

Bekommen Ihre Kinder zum Einschlafen auch mal ein Gedicht vorgelesen? 

König: Ja. Neue Gedichte versuche ich schon mal bei meinen Kindern. Bei uns zu Hause wird generell viel rumgereimt.

Auch der Titel Ihres fünften Solo-Programms reimt sich. Wie ist der eigentlich entstanden? 

König: Mein Sohn hatte ein Feuerzeug in der Hand, und da hab ich aus Spaß gesagt: „Feuer im Haus ist teuer, geh raus.“ Das fanden alle ganz lustig. Und so hab ich mich überreden lassen, das als Programmtitel zu nehmen.

Am Donnerstag stehen Sie damit in Baunatal auf der Bühne: Welchen Eindruck haben Sie vom Temperament der Nordhessen? 

König: Die sind gar nicht so wie ihr Ruf. Das finde ich ganz angenehm. Sogar in Ostwestfalen lachen die Leute manchmal viel, damit sie dem Klischee, dass sie wenig lachen, nicht entsprechen. So ist es mit den Nordhessen auch.

Das heißt, das nordhessische Publikum bemüht sich, besonders viel zu lachen? 

König: Ja, um dem Künstler zu zeigen, dass die Vorurteile alle Quatsch sind. Ich habe gerade noch mal in meine Liste geschaut: Den letzten Auftritt in Baunatal habe ich mit gut bewertet.

Sie führen Liste?

König: Ja, über jeden einzelnen Auftritt, und ich schreibe immer eine Schulnote dazu.

Fallen die Bewertungen immer gut aus? 

König: Es gibt auch mal eine schlechte Note. Als ich vor über zehn Jahren angefangen habe, habe ich manchmal die Hälfte der Auftritte mit ausreichend bewertet. Jetzt steht auf der Liste nur noch zweimal im Jahr: „Da nie wieder hin“.

Was hat sich seit Ihren ersten Auftritten geändert? 

König: Jetzt fühle ich, dass ich auf eine Bühne gehöre. Ich habe immer gedacht: Ich bin kein richtiger Entertainer. Jetzt habe ich entdeckt, dass diese Qualitäten doch in mir schlummern.

Warum sollten die Leute nun Feuer und Flamme für Ihr neues Programm sein? 

König: Weil ich mich das erste Mal auf der Bühne alles traue. Und, weil es einfach keinen Spaß macht, wenn keiner kommt.

„Feuer im Haus ist teuer, geh raus“ am Donnerstag, 13. März, 20 Uhr, in der Stadthalle Baunatal, Tickets: HNA-Kartenservice, Telefon 0561/203-204. 

Von Verena Koch

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