Interview mit Komiker Kaya Yanar: „Kulturen können lustig sein“

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Kaya Yanar.

Es gibt dieses Foto von Kaya Yanar, auf dem er durch einen Vorhang lugt und aussieht, als trüge er eine Burka. Aber keine Angst, Thilo Sarrazin. Dieser Mann ist keine Bedrohung, sondern nur ein lustiger Komiker mit türkischen Wurzeln.

Seit zehn Jahren treibt der in Frankfurt aufgewachsene Yanar seine Späße. Wir sprachen mit dem 37-Jährigen vor seinem Auftritt an diesem Sonntag in Kassel.

Herr Yanar, hat sich Bundespräsident Christian Wulff zuletzt bei Ihnen gemeldet?

Kaya Yanar: Nein, wieso?

Alle sprechen über Integration. Und Sie sind das beste Beispiel für gelungene Integration. Zuletzt witzelten Sie beim deutschen Comedy-Preis: „Ich habe mich sogar in einige Frauen bei euch integriert.“

Yanar (lacht): Ich weiß nicht, ob ich das beste Vorbild bin, aber es stimmt: Ich spreche gutes Deutsch, liege dem Staat nicht auf der Tasche und leiste einen Beitrag zur Gesellschaft.

Deutsche Muslime wie der Regisseur Fatih Akin und der Schriftsteller Feridun Zaimoglu haben einen offenen Brief an den Bundespräsidenten geschrieben, in dem sie klagen, dass ihnen überall Feindseligkeit entgegenschlägt. Geht Ihnen das auch so?

Yanar: Mir persönlich ist in meinem ganzen Leben nie Fremdenfeindlichkeit begegnet. Natürlich gibt es die in Deutschland, aber ich habe immer sehr viel Zustimmung erhalten - in der Schule, an der Uni und in der Comedy-Szene. Ich finde auch, dass es nicht immer eine Frage der Kultur oder der Nationalität ist, wenn man auf Vorurteile stößt. Ich kenne auch deutsche Freunde, die nicht klar kommen im Leben. Das ist auch eine soziale Frage und eine des Charakters. Man macht es sich zu einfach zu sagen: So sind die Türken.

Ihr Vater, ein Atheist, hat Sie evangelisch erzogen, Ihren Bruder katholisch. Welche Rolle spielt für Sie die Religion?

Yanar: Für mich ist sie ein Gefäß, mit dem man Dinge beschreiben kann, die einem heilig sind. Aber man darf dieses Gefäß nicht zu wichtig nehmen. Dogmen sind mir zuwider. In unserer Familie gab es fast alles, meine Mutter ist Muslimin. In Nordirland hätten wir uns die Köpfe eingeschlagen.

Wie hat Ihr Vater reagiert, als sie das Studium wegen der Comedy-Karriere abbrachen?

Yanar: Er hat mich kurze Zeit später im Fernsehen gesehen und gesagt: „Das hast du gut gemacht.“ Ich wusste früh, dass ich einmal auf der Bühne stehen werde, aber mir war nicht klar, dass Comedy mehr wird als ein Nebenerwerb.

Ihre Anfänge als Entertainer waren nicht einfach. Einmal haben Sie sich in einem Hasenkostüm zum Deppen gemacht.

Yanar: Das war auf einem 40. Geburtstag eines Hasenfans. Seine Mutter bestellte in der Event-Agentur, für die ich damals gejobbt habe, einen Hasen. So bin ich den ganzen Abend im Kostüm um den Tisch gehoppelt. Als Moderator habe ich Bands angesagt. Das kam so gut an, dass mein Bühnenanteil länger war als der der Musiker. Die fragten sich, wieso ich nach zehn Minuten noch da oben stehe. Ich sollte eigentlich nur zwei machen.

Nach zehn Jahren Comedy spielen Sie nun ein Best-of-Programm. Fällt Ihnen nichts Neues mehr ein?

Yanar: Doch, aber nachdem das Jubiläumsprogramm im Fernsehen kam, gab es so viele Anfragen, dass wir das jetzt nachreichen. Und natürlich habe ich neue Ideen. Im Januar erscheint mein Buch „Made in Germany“ über unterschiedliche Kulturen, meine vielen Reisen und meine Eltern.

Klingt nach einem Anti-Sarrazin.

Yanar: Ich habe schon daran gearbeitet, bevor dessen Buch für Aufregung sorgte. Aber mittlerweile kann man es so interpretieren. Ich will Kulturen nicht so verkrampft zeigen. Sie sind bereichernd und können auch sehr lustig sein.

Als Hobby geben Sie unter anderem Frauen an. Gibt es eine besondere Frau in Ihrem Leben?

Yanar: Immer wieder mal. Mal für längere, mal für kürzere Zeit. Ich bin noch auf der Suche.

Kaya Yanar - live und unzensiert: Sonntag, 31. Oktober, 20 Uhr, Stadthalle Kassel. Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Zur Person

Kaya Yanar wurde am 20. Mai 1973 als Sohn einer türkisch-arabischen Familie in Frankfurt geboren und wuchs nach der Trennung seiner Eltern abwechselnd bei seiner Mutter und seinem Vater auf. Sein Studium der Phonetik, Amerikanistik und Philosophie in Frankfurt brach er wegen der Comedy-Karriere ab. Sein erstes Solo-Programm brachte Yanar 2000 auf die Bühne. Den Durchbruch schaffte er ein Jahr später mit der Sat-1-Sendung „Was guckst du?!“, für die es den Deutschen Fernsehpreis gab. Der 37-Jährige ist Single und spricht selbst kein Türkisch.

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