Kommentar: Die Brotdose des Grauens

Im Fernsehfilm lebt nicht nur vom Gesehenen, sondern auch von den Bildern, die er nicht zeigt. Der „Tatort“ aus Saarbrücken war ein gutes Beispiel dafür. In „Hilflos“ ging es um

 Demütigungen und Misshandlungen unter Jugendlichen, aber Regisseur Hannu Salonen sowie die Autoren Stefan Schaller und Sabine Radebold verzichteten auf Voyeurismus. Umso eindringlicher spürte man die Ängste des Außenseiters Tobias (Sergej Moya).

Wie verzweifelt muss jemand sein, wenn er mit einem Messer seine Zahnspange aus dem Mund entfernen will, damit er nicht mehr gehänselt wird? Solche Bilder gab es viele in diesem „Tatort“, der durch die protokollarische Erzählweise dokumentarisch wirkte. Franz Kappl (Maximilian Brückner) und Stefan Deininger (Gregor Weber) ermittelten in einer eiskalten Welt, in der Teenager gefühllos auf den Tod eines Mitschülers reagieren und in der auch Lehrer und Eltern keine Hilfe sind.

Moya spielte den tatverdächtigen Tobias grandios zwiegespalten, so dass man als Zuschauer genauso hilflos war wie die Kommissare, die nicht wussten, ob es besser sei, den Teenager unter Druck zu setzen oder ihm Vertrauen zu schenken.

Am Ende hätte man Tobias gern geholfen und ihm Butterbrotpapier geschenkt. Angefangen hatte das Mobbing, weil er mit einer Diddl-Brotdose in die Schule kam. Die Schale mit der hässlichen Cartoonfigur wurde nie gezeigt, aber man kann sich die Brotdose des Grauens sehr gut vorstellen.

Von Matthias Lohr

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