Halle ist Alleinstellungsmerkmal

Kommentar zur Lage der Kunsthalle Willingshausen: Wie ein Soufflé

Willingshausen. Die Zukunft der Kunsthalle Willingshausen ist ungewiss. Die Leiterin hört nach HNA-Informationen bald auf. Dazu ein Kommentar von Mark-Christian von Busse.

Mit Ahrenshoop und Worpswede, ehemaligen Künstlerkolonien, in denen stattliche Museen stehen, kann sich Willingshausen nicht messen – was die Finanzkraft betrifft. Die Geschichte des Malerdorfs in der Schwalm ist indes so einzigartig, dass von überregionaler Bedeutung ist, was mit den Schätzen des Malerstübchens geschieht und wie dessen Traditionen gepflegt werden. Zu Recht hat auch die Neue Galerie in Kassel einen prominenten Willingshausen-Raum.

Mark-Christian von Busse

Welche Früchte eine fundierte Auseinandersetzung mit den Schwälmer Malern bringen kann, haben hochrangige Ausstellungen gezeigt. Kati Werkmeister, eingestellt, um 2013 das Treffen des Dachverbands der Künstlerkolonien Euro Art zu organisieren, hat auch die Kunsthalle vorangebracht. Das Stipendium für vielversprechende Künstler hat sich längst etabliert. Es wäre ein Jammer, wenn all das Erreichte in sich zusammenfallen würde wie ein Soufflé, das zu früh aus dem Ofen geholt wird, indem man allein aufs Ehrenamt setzt. So wichtig dieses ist: Sechs anspruchsvolle Ausstellungen im Jahr lassen sich so nicht stemmen.

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Infrage steht mehr, und das geht den gesamten ländlichen Raum an: Wie viel ist uns, in Zeiten von Sparzwängen und Effizienzdenken, Kultur wert? Was macht angesichts des demografischen Wandels das Leben auf dem Land attraktiv? Selbst wenn der Kulturtourismus wächst: Den Ertrag einer Kunsthalle wird man nie exakt in Euro und Cent berechnen können. Aber nicht nur, dass Kultur immer mit Bildung zu tun hat, die in Sonntagsreden gern gefeiert wird, und dass Kunst hilft, sich und die Welt besser zu verstehen. Sie stiftet Zusammenhalt, stärkt Gemeinschaft. In Willingshausen hat sie ein Alleinstellungsmerkmal: Sie trägt zum Erhalt der Identität bei, indem sie die Brücke von der Vergangenheit der Trachten und des Brauchtums in die Gegenwart schlägt.

E-Mail an den Autor: vbs@hna.de

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