Kommentar: Rein Wolfs' Abschied ist ein Schock

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Rein Wolfs

Kassel. Rein Wolfs, Leiter der Kunsthalle Fridericianum, wird am 1. März Intendant der Bundeskunsthalle in Bonn. Es ist ein Schock, meint Kulturredakteur Mark-Christian von Busse.

Mit der Intendanz in Bonn tritt Rein Wolfs die Leitung einer angeschlagenen, zuletzt viel kritisierten Institution an. Die Bundeskunsthalle an die europäische Ausstellungsspitze zu katapultieren, ist eine schwere, aber attraktive Aufgabe. Dass der 52-Jährige sie anpackt, kann man ihm nicht verübeln.

Dass er sie sich zutraut, kann man nach einer Reihe Furore machender, zum Teil brillanter Ausstellungen in Kassel - vom Beginn mit Christoph Büchel bis zu Danh Vos Replik der Freiheitsstatue - verstehen. Kulturstaatsminister Bernd Neumann setzt mit Recht große Hoffnungen in den 52-Jährigen.

Die hiesige Kunstszene wird die Nachricht vom Weggang des Niederländers mit Bestürzung aufnehmen. Wolfs hat sein Haus einem jungen Publikum für Techno-Konzerte und Partys geöffnet, er lud Kinder zum Übernachten ein und bot der Kunsthochschule Platz für ihre Jahresausstellung. Er bewies eine glückliche Hand, indem er neben renommierten Künstlern wie Pawel Althamer, Thomas Zipp und Monica Bonvicini vielversprechende junge Künstler wie Cyprien Gaillard, Klara Lidén und Mathias Faldbakken einlud. Manches war womöglich plakativ. Aber er hat die ernsthafte Auseinandersetzung auch mit schmerzlichen Themen - etwa mit einer Schau der Mexikanerin Teresa Margolles über den Drogenkrieg in ihrer Heimat - nicht vernachlässigt.

Vergrätzt haben wird ihn, dass das Fridericianum erst ein Jahr nach dem documenta-Ende wieder der Gegenwartskunst offensteht. Doch der Grund für seinen Abschied dürfte das nicht sein.

Von Mark-Christian von Busse

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